Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Zwetschkenradler

Ein Bier geht die Liaison mit Marmelade ein: Ob das gutgeht?

Stadtleben | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

In Russland gibt es eine stark ausgeprägte Teekultur, die eine bemerkenswerte Geste beinhaltet. Und zwar nimmt man ein Stück Zucker oder ein Löffelchen Marmelade zu sich und trinkt hernach das flüssige Gold aus dem Samowar. Erst im Mund vermischen sich die beiden Substanzen. Noch poetischer (und bitterer) wurde es während des Krieges. Da nahm man zwar den Zucker bzw. den Marmeladelöffel in die Hand, schaute ihn an und trank, ohne davon gekostet zu haben. So kam man recht lange mit dem Süßstoffvorrat aus.

Dem Bonmot folgt ein bierhältiges Erfrischungsgetränk, das nun neu auf den Markt geworfen wurde. Es ist weder mit Kräutern, Zitrone, Grapefruit noch mit dem Absatzliebling Johannnisbeere aromatisiert. Nein, hier waren mutige Köpfe am Werk und haben sich über die liebliche Zwetschke getraut, deren Image doch sehr von Oma dominiert wird. Die kürzlich hier aufgestellte These, dass mit dem Namen Zwetschke oder Powidl keine Karriere zu machen sei, hat sich doch nur zum Teil bewahrheitet.

Die schlechte Nachricht zuerst: Die Aufmachung nimmt sich leider nicht ernst. Der Slogan "is’eh Powidl“ mit weißen Comiclettern auf dem Etikett appliziert, lädt nicht unbedingt ein, ein kleines Getränkeabenteuer einzugehen. Abgesehen davon, muss man sagen: der Radler schmeckt! Aromatisch süß und würzig, echt okay. Also man sollte sich damit nicht unbedingt einen umhängen, die Folgen sind nicht abzusehen. Hier hat wer Marmelade und Bier bereits vor der Gaumenfreude vermischt. MS


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