Doris Knecht Selbstversuch

Mit dem ÖAMTC sind wir quasi per du

Kolumnen | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Wir waren in Kärnten, in einem Berghotel: Die Mutter las dort und wurde in Naturalien abgegolten, was vor allem der minderjährige Teil der Familie zu schätzen wusste. Endlich einmal in einem Hotel mit richtigem Service, nicht immer nur gemietete Ferienhäuser. Endlich einmal richtig Freizeitangebot mit Wellness in warmem Wasser, nicht immer Strand mit würdelosem Schlauchboot. Leider musste das Kind dann in der Aromagrotte ausprobieren, ob die fett angebrachten Worte: VORSICHT HEISSER DAMPF! ernst zu nehmen seien. Es lernte: sie sind, und saß die nächste Dreiviertelstunde im Hotelbadezimmer, mit der Hand im kalten Wasser, wie es die Dr. Urban empfohlen hatte, nachdem es der Mutter vergangenes Jahr nach einem Hagebuttentee-Malheur die Haut vom Handrücken schälte. Was vermutlich nicht passiert wäre, wenn besagte Hand nicht nur drei Minütchen unters kalte Wasser gehalten worden wäre. Mindestens eine halbe Stunde! Ich sag es noch einmal!

Zum Glück gab es im Badezimmer einen Fernseher, das linderte den ersten Schmerz des Kindes, aber nicht den der Mutter, die währenddessen im Bett lag und wie an jeden normalen Wochenende auf den Design-&-Stilseiten von E-Bay herumwunderte, anstatt im warmen Außenpool mit Blick auf die Berge ein paar jener Längen wegzuschwimmen, die ihr fehlen, seit die Gemeinde Wien das Stadthallenbad kaputtgemacht hat. Ja, ich weiß, selber schuld, hätte ich halt nicht immer neue, gruselige Fotos von den hygienischen Zuständen ins Internet gestellt, dann hätte ich jetzt ein paar Kilo weniger und müsste nicht ersatzweise gesundheitsschädliche und frauenfeindliche US-Brautdiäten ausprobieren.

Jedenfalls kriegte das Kind hernach eine dicke Schicht Brandsalbe auf die Hand und übersiedelte vor den Fernseher in seinem Zimmer, und die Mutter versuchte ihr Kind so überzeugend wie möglich zu trösten, während sie innerlich über die saudepperte Beschädigung des Wellness-Wochenendes fluchte. Immerhin: Das Kind hätte auch sein Gesicht über den Aromagrottendampfofen halten können, und das hatte es gottlob nicht gemacht. Plus, die Hand heilte tatsächlich über Nacht. Wenigstens.

Nachdem die Mutter also vor einem freundlichen siebenköpfigen Publikum gelesen hatte und dann doch noch ein paar Dutzend Längen geschwommen war, fuhren wir wieder nach Hause. Mit einem kleinen Zwischenstopp in der Nähe von Zeltweg, wo das kürzlich vor St. Pölten liegengebliebene und dann um 4000 Euro reparierte Auto liegenblieb. Mit den Leuten vom ÖAMTC sind wir mittlerweile quasi per du. Wir fuhren dann im Ersatzwagen heim, aus rechtlichen Gründen mit dem Langen am Beifahrersitz, wo er sich am Haltegriff festklammerte und die Schreie einer hysterischen alten Memme ausstieß, was, da derlei die Fahrerin unglaublich reizt, die Sicherheit der Insassen nicht erhöhte. Man sollte immer zu Hause bleiben, es ist am ungefährlichsten. F


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