Tiere

Jagdfieber

Kolumnen | aus FALTER 16/12 vom 18.04.2012

Schöne neue Welt der Pressemeldungen. Letztes Wochenende konnte man in allen Medien diese Nachricht lesen: "Der spanische König Juan Carlos wurde bei einer Elefantenjagd in Botswana schwer verletzt.“ Natürlich ergoss sich über den Monarchen Spott und Hohn, und die Medienmeute hetzte vor allem gegen die hohen Kosten für den Abschuss eines Elefanten (angeblich 20.000 Euro). Hätte denn der König so etwas nötig gehabt, noch dazu in einer Zeit, in der das spanische Volk darbe und weder Kuchen noch Brot zu essen habe?

Aber hallo! Natürlich geht der Chef mit dem Gewehr voraus, wenn eine Krise kommt. Und natürlich besorgt er in seiner Rolle als oberster Jäger die Nahrung. Aus gutem Grund war auch in Österreich der Aufsichtsratspräsident der Raiffeisen-Zentralbank auch oberster Jägermeister. Ein schwerer Fehler, diese gottgewollte Personalunion jetzt auseinanderzureißen.

Auch in Botswana werden Elefanten von der einheimischen Bevölkerung viel mehr des Fleisches als des Elfenbeins wegen gewildert. Afrikanische Elefanten wiegen zwischen 2,5 und 7,5 Tonnen. Abzüglich der Knochen und Innereien ergibt sich bis zu eine halbe Tonne essbares Fleisch. Dieses wird geräuchert und auf den lokalen Märkten um ca. 70 Euro pro Korb verkauft. Das erspart den Wilderern, sich mit internationalen Schmugglerbanden auseinandersetzen zu müssen, die ihnen sonst für das Elfenbein je Kilo nur 20 Euro anbieten und sie dann letztlich mit Palmwein abspeisen.

Also eine angemessene Aufgabe für Juan Carlos, der seine Untertanen mit Fleisch versorgen wollte und sich dafür auch das richtige Land ausgesucht hat. In Botswana leben so viele Elefanten wie in keinem anderen afrikanischen Land, derzeit etwa 130.000 Tiere.

Unwürdig war hingegen der Grund für die schwere Verletzung: Juan Carlos stolperte bloß über eine Stufe in der Safari-Logde. Sein 14-jähriger Enkel hingegen, Felipe Juan Froilán, verletzte sich fast zeitgleich mit einer Schrotflinte. Das wiederum aber nicht bei der Jagd aufs Essen, sondern bei "Schießübungen“ in Spanien. Er schoss sich in den Fuß, was aber in einer offiziellen Aussendung nur als "kleiner Unfall“ bezeichnet wurde. Denn sowohl Fuß, Kaliber und Schrotkugeln waren klein. Königin Oma sagte nach ihrem Besuch des Enkels im Krankenhaus: "Immer passiert mit Kindern so etwas.“ Der König hätte es viel mehr verdient! F

Zeichnung: püribauer.com


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