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Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle einmal das Faksimile meines Kritzelsheets von der Montagssitzung einhängen, aber dann meinte jemand, hysterische Zeitgenossen würden meine sehr schematischen Skizzen gekreuzigter Weißkopfadler eventuell als Wiederbetätigung auslegen, und das muss jetzt auch nicht unbedingt sein. An sich geht es in der Montagssitzung um ganz wichtige und zugleich ganz pragmatische Dinge: welche Spalten, Kasteln, Glossen und Eckerln womit gefüllt werden sollen. Die abstrakteste, aber auch richtigste Antwort auf diese Frage lautet: egal, bloß nicht mit demselben. Werden Spalten, Kasteln, Glossen und Eckerln mit (mehr oder weniger) demselben gefüllt, nennt man das eine Dublette.

Lange Zeit galten Dubletten als vermeidenswerte Fälle von Redundanz. Bis ein findiger Kopf, dem es ganz offensichtlich zu blöd geworden war, sich spätabends auf Anrufe der quälend aufmerksamen Chefin vom Dienst hin Ersatzmeldungen aus den Fingern saugen zu müssen, etwas einfallen ließ und die Stützmeldung erfand. Eine Stützmeldung ist eine Dublette, die aufhört, eine Dublette zu sein, weil sie die Existenz des anderen Teils der Dublette (Dubletten sind ja wesenhaft Zwillingsexistenzen) legitimiert, indem sie so tut, als wäre sie etwas anderes. Mehr Dialektik kann man vom zeitgenössischen Journalismus echt nicht haben wollen. Ansonsten geht es bei der Montagssitzung hauptsächlich um bizarre Namen ebensolcher Sexualpraktiken und um Gartentipps. Ich bin von Hobbygärtnern umzingelt!


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