Am Apparat  

Sollen Lesben Samenspenden bekommen, Frau Druml?

Telefonkolumne

Politik | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Medizinisch unterstützte Fortpflanzung ist nur in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft von Personen verschiedenen Geschlechts zulässig.“ So steht es im Gesetz. Die Bioethikkommission hat sich jetzt mit 19 von 25 Stimmen für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, auch die Vorsitzende Christiane Druml hat dafür gestimmt.

Frau Druml, warum wollen Sie die künstliche Befruchtung für lesbische und alleinerziehende Frauen zulassen?

Der Wunsch, sich fortzupflanzen, ist sehr stark. Wenn man Frauen verbietet, ihm nachzukommen, beschneidet man die Freiheit in einem zentralen Bereich.

Ihre Gegner behaupten, das Kindeswohl leide, wenn ein Kind nicht mit Mutter und Vater aufwachse.

Eine Menge Studien sagen, dass es keinen nachteiligen Effekt gibt - nicht die Existenz von Mutter und Vater, sondern die familiäre Stabilität ist für das Kindeswohl wichtig. Kontrastudien sind uns keine vorgelegen. Auch andere Argumente gegen die Zulassung haben sich als haltlos erwiesen.

Welche Möglichkeiten, Kinder zu bekommen, hatten Betroffene bisher?

Sie konnten ins Ausland fahren, aber eine In-vitro-Fertilisation ist eine langwierige Prozedur. Medizintourismus kann sich nur leisten, wer die notwendigen Mittel und die Zeit hat.

Der Spiegel hat über einen Mann berichtet, der Frauen mit Kinderwunsch trifft und ihnen "privat“ ein Kind zeugt.

Das ist ausbeuterisch und unangenehm. Wenn Frauen verboten wird, dem Wunsch nach Fortpflanzung anders nachzukommen, werden sie Beute von solchen Männern. Das allein ist schon ein Grund für eine vernünftige rechtliche Regelung.

Über die Gesetzesänderung entscheiden muss ja der Verfassungsgerichtshof - wird er Ihrer Empfehlung folgen?

Das kann ich nicht beurteilen, aber dass er unsere Stellungnahme eingefordert hat, ist ein Indiz dafür, dass er sie nicht sofort verwerfen wird.

Interview: R. EIsenreich


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige