Das rote Weihnachten

Politik | Erkundung: Wolfgang Zwander | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Während der Maiaufmarsch in anderen Städten wegen Desinteresse abgesagt wird, versammeln sich in Wien jedes Jahr zehntausende Bürger vor dem Rathaus. Warum ist das so?

Wenn Erna Mörixbauer von den Maiaufmärschen ihrer Jugend spricht, dann spricht sie vom Marschieren und Siegeswillen, von Kampfparolen und Trompetenlärm. Besonders laut sei der Hall der Sprechchöre gewesen, sagt die 83-Jährige mit leuchtenden Augen, wenn der Demonstrationszug durch die Herrengasse zog. Das habe sie geliebt.

Wenn Mörixbauer von den Maiaufmärschen der Gegenwart spricht, sagt sie mit etwas bedrückter Stimme, dass es kein Klassenbewusstsein mehr gebe und dass Arbeiter heute ein Schimpfwort sei.

Obwohl die Arbeiterbewegung längst ein Phantom von gestern ist, werden am kommenden Dienstag wieder zehntausende SPÖ-Anhänger mit roten Nelken am Revers durch die Wiener Innenstadt defilieren. Mit Blasmusikkapellen und Festtagskleidung, zu Technomusik und mit selbstgebastelten Transparenten in der Hand. Die bunte


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