Der Gangster als Saubermann: das neue Gesicht der Mafia

Politik | Rezension: Franz Kössler | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Der im Untergrund lebende Schriftsteller Roberto Saviano beschreibt, wie die organisierte Kriminalität die Wirtschaft unterwandert

Lange war die Mafia, auch durch ihre verkitschte Darstellung in den Hollywoodfilmen, von einer mystischen Aura umgeben. Sie galt als romantisches Erbe der Geschichte Siziliens, mit atavistischen Ritualen, geheimen Hierarchien und einem prickelnden Hang zu Schutzgelderpressung, Wucher, Mord und Blutrache.

Spätestens seit der Finanzkrise weiß man, dass die Mafia auch eine moderne Struktur ist, die sich als stärkerer Bruder der Korruption in ganz Europa ausbreitet und eine bedeutende ökonomische Rolle spielt.

Als der Chef der Europäischen Zentralbank Mario Draghi noch Gouverneur der italienischen Nationalbank war, warnte er bereits vor dem wachsenden Einfluss der finanzstarken Mafia in Zeiten der Finanzkrise, in denen Unternehmen verzweifelt nach Kapitalgebern suchen. Die Warnung ist umso aktueller, als jetzt ganze Staaten auf der Suche nach Milliarden sind,


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