Stadtrand 

Bildungsbürgerness in der Coffeeshopkette

Urbanismuskolumne

Stadtleben | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Christopher Wurmdobler nennt sich das nächste Mal bei Starbucks Kapitän Ahab

Sehr enttäuschend: Wenn man bei Starbucks in der Millennium City in der Warteschlange steht und auf seinen Gehkaffee wartet, bereiten Menschen mit ganz normalen Namen auf ihren Namensschildchen Schaumgetränke zu. Fad. Die Kollegen in der Innenstadt sind da um einiges kreativer. Zuerst staunt man an der Kasse - in der amerikanischen Coffeeshopkette bezahlt man, bevor der Kaffee kommt - über den Namen des Kassierers: Duncan. Aha. Die Dame hinter der Siedemaschine hat "Lady Macbeth“ auf dem Namensschild stehen. Das kann doch nicht wahr sein!

Spätestens jetzt kommt einem die Frage nach dem eigenen Namen, die bei Starbucks gestellt wird, um damit Kaffeepappbecher zu beschriften, noch impertinenter vor. Sagt hier vielleicht niemand, wie er wirklich heißt? Steht um einen herum das komplette Shakespeare-Personal? Hamlet, Ophelia, König Lear und Kapitän Ahab? (Ja, eh: Kapitän Ahab ist keine Shakespeare-Figur, falls Sie schon den Leserbrief schreiben wollten.) Allerhand. So viel Bildungsbürgerness hätten wir bei Starbucks echt nicht erwartet.


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