Tiere

Das ist Spitze!

Falters Zoo | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Peter Iwaniewicz tanzt wie ein Schmetterling und sticht wie eine Biene

Diese Kolumne hat diesmal einen langen Bart. Und sie beginnt wie viele Geschichten unserer schönen, neuen Medienwelt mit einer Pressemeldung. Chinesische Zeitungen berichteten, dass ein Mann namens She Ping den Weltrekord im Bienen-am-Körper-Tragen gebrochen hätte. "Bee Bearding“, also Bienenbart nennt sich die Übung, bei der Bienenzüchter ihre Verbundenheit mit diesen Insekten demonstrieren und sich dazu eine kleine, luftdurchlässige Dose mit einer Bienenkönigin unter das Kinn schnallen. Von deren Duftstoffen werden Arbeiterinnen angelockt und bilden dann große vollbartähnliche Trauben im Gesicht des Imkers. Der Ukrainer Petro Prokopovych schuf Mitte des 19. Jahrhunderts die Grundlagen der modernen, professionellen Bienenzucht und führte das Bee Bearding als Mischung aus Initiationsritus und Tierkontaktpflege bei Bienenzüchtern ein.

Auf landwirtschaftlichen Messen wurden solche Vorführungen gerne als Showprogramm einem zwischen Abscheu und Bewunderung hin- und hergerissenen Publikum gezeigt. In diesem Rahmen wäre es wahrscheinlich auch geblieben, wenn nicht am 27. August 1955 die erste Auflage des "Guinness Book of Records“ in den Buchhandel gekommen wäre.

Seit diesem Zeitpunkt mutieren die alltäglichsten wie absonderlichsten Tätigkeiten des Alltags zu Rekorden: der längste Eierweitwurf, das schnellste Bierkistenstapeln und der schwerste Tumor, sowohl gut- wie bösartig. Und auch das eher harmlose Bee Bearding entwickelte sich weiter zur Wettkampfkategorie "Heaviest Mantle of Bees“. Nicht nur das Gesicht, sondern der ganze Körper wird dabei von Bienen bedeckt. Da kommen schon mehrere hunderttausend Bienen zusammen, die aber in ihrer Menge auch genau erfasst werden müssen. Zählen ist unmöglich, also wird gewogen. Der obengenannte Rekordbrecher She Ping meldete nur schlappe 33,1 Kilogramm, was sich bestenfalls als lokales Rekördchen empfiehlt. Ein offizieller und offenbar besorgter Vertreter von Guinness World Records relativierte diese Pressemeldung sofort und bestätigte die aufrechte Leistung des Inders Vipin Seth aus 2009 mit 61,4 Kilo und geschätzten 613.500 Bienen aus 54 Kolonien.

Die Herausgeber des Rekordbuchs haben aus ethischen Gründen einige Kategorien überdacht: Da einige Haustierbesitzer ihre Lieblinge aus Rekordsucht überfüttern, wurde die Disziplin "Fettester Fisch“ gelöscht.

zeichnung: püribauer.com

Den Weltrekord im Bier-Schnelltrinken hält seit 1977 Steven Petrosino mit 1,3 Sekunden für einen Liter. Weltrekord Biermenge: André René Rousimoff mit 119 Dosen in 6 Stunden


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige