Kritik

Gut geölt: Ugo Rondinone im Theseustempel

Lexikon | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Glatt wie ein Babypopo präsentiert sich der frischrenovierte Theseustempel im Volksgarten. Nachdem er im vergangenen Sommer für Ausstellungen des Contemporary Art Club genutzt wurde, macht nun der Hausherr, das Kunsthistorische Museum, Programm. Die vom Freundeverein des Museums finanzierte und von Jasper Sharp kuratierte Ausstellungsreihe beginnt mit Ugo Rondinone. Der Schweizer Künstler studierte in Wien und ist hier immer wieder in Galerien zu sehen. Der multimedial arbeitende Künstler mit einer Vorliebe für melancholische Inszenierungen ist ein Star der zeitgenössischen Kunst. Die Ausstellung "wisdom? peace? blank? all of this?“ präsentiert ein mehrere Jahre altes Werk, das trefflich in die Umgebung passt. In dem klassizistischen Tempelchen, das einst für eine Figurengruppe aus Marmor geplant wurde, steht ein Olivenbaum. Es ist der Abguss eines 1300 Jahre alten Baums, den der Künstler mit weißer Farbe strich. Der knorrige Stamm windet sich wie eine Figura serpentinata, eine jener geschraubten Figuren, wie sie bei den Bildhauern des Frühbarock beliebt waren. Bleiben die Tore offen, fällt der Blick des Besuchers auf die Parkbäume, ein kitzelnder Kontrast zwischen Künstlichem und Natur. Zudem ist der Olivenbaum mit der von antiken Mythen geprägten Kunstgeschichte verwachsen. Ein Beispiel: Als die Götter im Wettstreit um Athen Gaben darbringen, lässt Athena auf der Akropolis den heiligen Ölbaum wachsen und wird damit zur Schutzherrin dieser Stadt. Rondinone platziert den Baum auf einem rohen Bretterboden und suggeriert so eine ländliche Umgebung. Die groben Dielen passen zu dem von der Decke abblätternden Putz; bei der Renovierung war den Malern die Farbe ausgegangen. Rondinone ist übrigens derzeit auch in der Galerie Krobath zu Gast. MD

Theseustempel, bis 24.6.; Galerie Krobath, bis 30.6.


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