Neu im Kino

Ein großartiger Actionfilm: "Das Leben gehört uns“

Lexikon | Michael Omasta | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

Warum gibt es solche Filme bei uns nicht? Weil es die Schauspieler dafür nicht gibt, sagen die einen; weil es die Regisseurinnen dafür nicht gibt, die anderen. Dabei sitzt die Wurzel noch viel tiefer: Denn im Deutschen gibt es das ganze Genre der "Comédie dramatique“ nicht. Geschweige denn eine Filmemacherin wie Valérie Donzelli, die mit solcher Leichtigkeit eine persönliche Lebenskrise zu einem Spielfilm machen und zudem auch noch selbst die Hauptrolle darin übernehmen könnte - gibt’s hier einfach alles nicht!

"Das Leben gehört uns“ (im Original: "La Guerre est déclarée“) ist die Geschichte eines jungen Paares, Roméo und Juliette, bei dessen 18 Monate altem Söhnchen Adam ein Hirntumor entdeckt wird. Auf die Diagnose folgen Chaos und Verzweiflung, erst danach hat die Kleinfamilie wieder soweit ihre Kräfte beisammen, dass sie sich diesem unfassbaren Anschlag auf ihr Glück, dieser mörderischen Kriegserklärung zu stellen vermag.

"Was mich interessiert hat“, sagt die Filmemacherin, "war die Liebesgeschichte, aber so, wie sie durch diese spezielle Prüfung erlebt wird. Roméo und Juliette sind junge, sorglose Liebende, die überrascht werden: von ihrer Fähigkeit zu kämpfen und wider ihre Natur zu Helden zu werden.“

Um diese Geschichte zu erzählen - und zwar nicht altbacken realistisch, sondern dass sie das Herz eines jeden Zuschauers höher schlägen lässt -, mobilisiert Donzelli unter anderem wechselnde Off-Erzähler, rasende Tempowechsel, altväterische Kreisblenden, HD-Material und 35-mm-Film, dazu eine Tracklist von Vivaldi über Laurie Anderson bis Georges Delerue (weshalb die Phase der sommerlichen Jungverliebtheit auch so "à la Nouvelle Vague“ gefilmt wirkt), kurz gesagt: "Das Leben gehört uns“ ist auch ein großartiger Actionfilm.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmcasino)


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige