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Film im Film in Frottee: "My Week with Marilyn“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 17/12 vom 25.04.2012

An Spielfilmen übers Filmemachen und seine Geschichte mangelt es nicht; gefühlte 24 pro Sekunde kommen derzeit ins Kino. Meist beschwören sie nostalgisch verlorene Wahrheiten hinter den Kulissen des Spektakels: die Evidenz beredt grinsender Gesten hinter der Sprachmauer des Tonfilms ("The Artist“), den Archivschatz vergoldeter Gründerzeiten des Laufbilds ("Hugo Cabret“) - oder die echte Marilyn hinter der Fassade der Monroe und ihrer Filmarbeit.

"My Week with Marilyn“ zeigt diese als Opfer von Leistungsdruck, Imagezwang, Geltungsbedürfnis und Tablettensucht während des Drehs zu "The Prince and the Showgirl“ 1956. Alle wollen sie formen: ihr Co-Star und Regisseur Laurence Olivier als abgeklärter Profimime; Paula Strasberg als mütterliche Method-Acting-Mentorin; Arthur Miller als Ehemann, der sie bereits ab- und zur Romanfigur umschreibt. Bei so viel Zank und Frust kommt Colin Clark gerade recht: Der spätere Kunsthistoriker, auf dessen Memoiren der Film basiert, avanciert als Laufbursch am Set zu Marilyns Stressfluchthelfer, perfect date (samt Schlossbesuch und Nacktbad) und Kuschelbuddy, dem sie alles gesteht.

Simon Curtis’ Regie und Musikeinsatz machen klar, wann wir jeweils beschwingt, bezaubert oder betroffen sein sollen. Und die dämmrig hauchende MM und der zwischen Wutanfällen Shakespeare zitierende Olivier (mit Gusto: Michelle Williams, Kenneth Branagh) buchstabieren aus, was Sache ist: In Wirklichkeit will Marilyn nur liebgehabt werden; außerdem hat sie was - das hier per schwitziger Bein- und Popo-Begutachtung ausgestellt wird. Sie kiekst im Bad, fläzt in Frottee, singt und räkelt sich am Anfang und Ende durch Bigbandhits, weil’s grad gelegen kommt. Das beleidigt die Intelligenz der Filme, für die Marilyn Monroes Spiel unvergesslich ist, und unsere auch, tut aber kaum weh.

Derzeit im Kino (OF im Burg, OmU im Votiv)


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