Nachrichten aus dem Inneren

Falter & Meinung | Klaus Nüchtern | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Die Redaktion erklärt sich selbst

Weil ein junger Kollege unlängst danach fragte: Ja, ich kann gern erklären, wie das so ist - mit den Interviews. Nämlich sehr verschieden. Für manche hat man zehn Minuten, für andere zwei Stunden Zeit. Bei manchen blickt man einander in die Augen, bei anderen sitzt man bloß vor dem Schirm und tauscht E-Mails aus. Und für kurze Zeit gab es sogar Faxinterviews (kein Witz!). Ein Klassiker, vor allem im Popbusiness, ist der Phoner. Man ruft zu einer bestimmten Zeit irgendwo an, und dort sitzt dann ein Musiker und gibt Interviews im Viertelstundentakt.

Dass persönlich immer besser ist, stimmt nur tendenziell, weil es allemal besser ist, mit einem auskunftsfreudigen Adressaten Mails auszutauschen, als einem übellaunigen, wortkargen Gesprächspartner gegenüberzusitzen. Super ist es, wenn jemand wie Jonathan Meese nicht bloß in Plauder-, sondern in Schreilaune ist und Matthias Dusini anbrüllt (S. 34). Auch Christopher Wurmdobler hat mit Bodo Wartke nicht einfach nur gephont, sondern ein gepflegte fernmündliche Konversation geführt (S. 31), wohingegen Florian Obkircher die Sängerin Santigold in einem schnieken Westend-Hotel in London traf (S. 32). Während Campino in der Redaktion anrief, bevor er nach Wien flog (S. 30), musste Wolfgang Kralicek das Land verlassen, um die Gesprächspartner für seine Festwochen-Geschichte zu treffen (S. 26), und Ingrid Brodnig schleppte gar den eigenen Klapptisch zum Gespräch zwischen Clara Luzia und Patryk Kopaczynski (S. 12), weil es im Plattenladen Substance keinen Tisch gibt. Echter Einsatz!


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