Meinesgleichen

Endlich wieder: ein Österreicher von Weltformat!

Falter & Meinung | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Was, bitte, ist Weltformat? Ein Papiermaßsystem, das der deutsche Chemiker Wilhelm Ostwald 1911 entwickelte. Es setzte sich aber nur in der Schweiz durch. Dort heißt heute noch das Plakatformat XIV (90.5 x 128 cm) schlicht Weltformat. Wir Österreicher wissen jedoch, dass Weltformat ein vager Ausdruck zur Bezeichnung dessen ist, was wir in unserer ganzen zwergstaatlichen Kleinlichkeit mit jeder Faser unseres Daseins ersehnen. Empor ins Reich der Mozarts, Laudas, Freuds und Kurtwaldheims (naja)! Zuletzt las ich den Ausdruck im Zusammenhang mit Udo Proksch. Gerd Bacher, langjähriger Generalintendant des ORF, sagte über Proksch, der sei "ein Österreicher von Weltformat“. Das war, als Proksch noch im Saft seiner anarcho-avantgardistischen Kunstkonditorenexistenz österreichische Politikerseelen verwirrte.

Jetzt haben wir wieder einen von Weltformat, einen Seelenverführer, aber einen der harmloseren Sorte. Einen mit Wiener Schmäh und schwarzer Haut. Schwiegersohnmaterial. David Alaba, Verteidiger von Bayern München, Österreichs Fußballer des Jahres. "Ein Teenager von Weltformat“ titelte der Kurier. Ja, dieses Kerls wegen muss man sogar seine Haltung Bayern München gegenüber ändern: der arrogante Reichenclub wird uns Österreichern Alabas wegen sympathisch. Sein Ex-Trainer Louis van Gaal sagte vor zwei Jahren über Alaba: "Er ist ein linker Verteidiger, er weiß es nur noch nicht.“ Was Gerd Bacher über David Alaba sagte, ist vorläufig nicht bekannt.


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