Kommentar  Wachstumspakt

Der "Sebstmordtrip Europas“ und die Rolle der Deutschen

Falter & Meinung | Wolfgang Zwander | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Wer in Staaten der EU-Peripherie wie Portugal oder Griechenland über Europa redet, bekommt schnell den Satz vom "bösen Deutschen“ zu hören. Was die Deutschen im Zweiten Weltkrieg mit ihren Panzern nicht geschafft hätten, nämlich Europa zu beherrschen, würde ihnen nun Kraft ihrer Wirtschaft gelingen.

Dieser Satz ist Blödsinn, und obendrein eine Verharmlosung des Nationalsozialismus. Trotzdem wäre es falsch, der Wut der Portugiesen und Griechen jedes Verständnis abzusprechen, und damit die Europapolitik der Deutschen freizusprechen.

Weil unser nördlicher Nachbar der mit Abstand mächtigste Staat in der EU ist, betreffen die Folgen seiner Politik alle Europäer. Was das für Folgen sein könnten, davor warnte vergangene Woche der Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz.

Stiglitz sagte, die EU sei auf einem ökonomischen "Selbstmord-Trip“. Würden die europäischen Regierungen weiterhin auf ihren Sparkurs beharren, drohe der Euro zu zerbrechen. Und damit letztlich die EU.

Was Stiglitz als "Selbstmord-Trip“ bezeichnete, trägt deutsche Handschrift. Das europäische Sparregime entstand unter Regie der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und stärkt die Macht Deutschlands; es verhindert aber Wachstum in der EU-Peripherie - und ohne Wachstum werden Griechen und Portugiesen, Spanier und Iren ihre Schulden nie bedienen können.

Die Deutschen müssen begreifen: In einem vereinten Europa hört die Freiheit des einen nicht mehr auf, wo die des anderen beginnt. Auch wenn Griechen und Portugiesen an ihrer Misere nicht ganz unschuldig sein mögen, profitiert in der EU langfristig niemand davon, wenn sie nicht wieder auf die Beine kommen.


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