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Wie haben Sie es aufs Foto geschafft, Herr Novotny?

Politik | Interview: R. Eisenreich | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Beim feierlichen Spatenstich für den umstrittenen Semmering-Basistunnel schlich sich ein Fremder mit einem Protestschild auf das Foto (siehe oben). Der Falter hat ihn ausfindig gemacht. Martin Novotny ist Hausmann und Natur- und Wildnistrainer und engagiert sich bei den Grünen Gloggnitz.

Herr Novotny, wie haben Sie es geschafft, sich ins Bild zu schleichen?

Als Scout trainiere ich, nicht gesehen zu werden. Ich bin einfach hingegangen, niemand hat mich bemerkt.

Wie haben die Veranstalter reagiert?

Einer der Organisatoren hat mich gebeten, zur Seite zu gehen, aber da war eh schon alles vorbei. Sie haben mir auch den Zettel weggenommen, ihn mir aber gleich wiedergegeben, weil sie gemerkt haben, dass ich niemandem etwas Böses will.

Was wollten Sie mit der Aktion erreichen?

Ich wollte dem Berg eine Stimme geben, die gesehen und gelesen wird. Ich bin einer, der versucht, zu kommunizieren. Ich habe eine Natur- und Wildnisschule gegründet. Da helfen wir Menschen bei der Entschleunigung, bei der Naturwahrnehmung, beim Zurückkommen zu sich selbst. Ich bin am Berg zuhause, und mir ist wichtig, dass meine Kinder eine Natur vorfinden, in der es lebenswert ist.

Sie haben damit Ihre 15 Minuten Ruhm bekommen.

Es ist hochspannend, wo ich drauf bin und wo nicht. Da sieht man, welche Dynamiken es in den Medien gibt, wer sich wem verpflichtet fühlt. Der ORF hat es nicht gebracht, in der Presse hab ich es aufs Titelbild geschafft. Eigentlich nicht ich, sondern der Berg.

War die Aktion mit den Grünen abgesprochen?

Nein, das war eine Privatgeschichte. Ich habe ja auch nicht "Die Grünen“ daruntergeschrieben. Ich habe ihnen gesagt, dass ich diesen Zettel herzeigen werde, und sie haben gesagt: Ist okay, passt.


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