Enthusiasmuskolumne  Diesmal: das beste Geheimkonzert der Welt der Woche

Live am Alsergrund: Pogo, Punk & Dosenbier

Feuilleton | Gerhard Stöger | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Caution: do not enter“, steht über der unscheinbaren Tür. Dahinter liegt ein kleiner Partykeller, mitten im neunten Bezirk. Seit Jahren findet hier wöchentlich am Donnerstag der "Bubenabend“ statt. Eine Handvoll junger Männer spricht dem Alkohol zu und huldigt ihrer Lieblingsband, den Toten Hosen. Diesmal ist einiges anders: Der Bubenabend steigt mittwochs, die Freundinnen der Buben sind auch dabei, und die Musik wird live gespielt - von den Toten Hosen selbst.

Die Düsseldorfer sind im Rahmen der Feierlichkeiten zum 30. Bandgeburtstag derzeit auf "Magical Mystery Tour“. Sie spielen Geheimkonzerte bei ihren Fans zu Hause; der Wiener Keller ist eine von 16 aus insgesamt fast 5000 Bewerbungen ausgewählten Locations.

Die Idee geht auf: Das Konzert bleibt tatsächlich geheim, selbst Wiener Freunde der Hosen wissen nichts vom Auftritt. Promis sind unter den rund 80 Leuten keine zu sehen; die wenigen Journalisten, die sich doch einschleichen konnten, werden von den Buben und ihrem Umfeld skeptisch beäugt.

Bühne gibt es keine, eine weiße Bodenmarkierung muss als Abgrenzung zwischen dem Publikum und den fünf Musikern genügen. Kurz nach 21 Uhr stürzt sich die Band mit dem alten Kracher "Liebesspieler“ ins Konzert; bereits beim dritten Song, "Opel-Gang“, sind alle im Raum nassgeschwitzt. Was folgt, sind eineinhalb Stunden Punkrock, Schweiß und Dosenbier; Glücksgefühle, Pogotanz und ein topmotivierter Hosen-Sänger, der irgendwann gar zum Crowdsurfing hochgestemmt wird.

Sollen die Popdiskursgeschmackswächter und Feuilletonschöngeister ruhig die Nase rümpfen. Wir sagen nur achselzuckend: "Die Toten Hosen? Leider geil!“ Nach diesem denkwürdigen Abend überzeugter denn je.


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