"Ich höre gerne Reden von Hitler!“

Feuilleton | Schreiduell: Matthias Dusini | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Der Künstler Jonathan Meese über Seelenfürze, John Galliano und die Pest Demokratie

Eine Rede des Künstlers Jonathan Meese ist etwa so unterhaltsam wie die Inszenierung einer Wagner-Oper in Bayreuth vor 100 Jahren. Er wirkt sprachlich wie ein kostümierter Germane, intoniert mit dem anachronistischen Pathos eines Pickelhauben-Wotan. In einer Zeit geschmeidiger Politikerreden brüllt er bodenlose Behauptungen, die im Nichts verhallen. Anders nämlich als die politischen Religionsgründer um 1900 vermag Meeses Fakeradikalismus die Zuhörer lediglich zu einem Kopfschütteln zu bewegen. Auch das Publikum seines Auftritts Anfang April in der Aula der Akademie, wo die Fotografien dieses Artikels entstanden, reagierte schulterzuckend. Dennoch sind seine Auftritte faszinierende Verausgabungen, Tobsuchtsanfälle in der Rhetorik des Manifests, die den Grad entwickelter Meinungsfreiheit vor Augen führen. Solange Meese frei herumläuft, braucht man sich um die deutsche Demokratie keine Sorgen zu


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