Nüchtern betrachtet 

Ein schöner Schal will gut geschlungen sein

Feuilleton | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Männer, so kann man es bei den mutigeren und originelleren meiner Geschlechtsgenossen in letzter Zeit immer häufiger lesen, wollen es jetzt auch endlich so fein haben wie die Frauen. Genau. Wir wollen auch lärmigen Proseccoschlürfrunden angehören und mal ins Spa gehen (weil wir es uns wert sind!), anstatt dauernd die blöde Formel 1 schauen und U-Boot-Kriege führen zu müssen. Die Frauen sollen uns gefälligst in den Mantel helfen und nicht immer nur ständig auf unsere Hände gaffen. Wir haben schließlich auch Hüften, Hals und Hintern. Und zumindest Männerhälse werden, so will mir scheinen, nicht hinreichend gewürdigt. Wir Männer bewundern Frauenhälse ja sehr, bedenken sie mit Blicken, behängen sie mit Geschmeide und beschützen sie vor Kälte: "Nimm doch meinen!“, sagen wir, wenn Frauen frösteln, und wickeln uns den Schal vom Hals. "Danke, es geht schon“, sagen die dann. Ansonsten kommt aus der Frauenecke eigentlich nichts zurück. Keine Ahnung, ob die Hälse mögen.


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