Stadtrand Urbanismuskolumne

Wenn Träume einmal keine Schäume sind

Stadtleben | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Wieder eine U-Bahn-Geschichte: Neulich ist nämlich ein Bursche eingestiegen, der war schwer drauf, so einer, auf den die Leute sehr ungehalten reagieren, weil er in sehr schlechtem Zustand ist. Dass Leute so reagieren, liegt vielleicht daran, dass Drogensüchtige oft in einer noch viel undurchdringlicheren Realitätsblase leben als der Rest der Welt und nicht merken, wann sie nerven, wenn sie einen wegen ein paar Euro Lügengeschichten auftischen, obwohl offensichtlich ist, wofür sie das Geld brauchen, zum Beispiel.

Jedenfalls ist dieser junge Mann in die U1 eingestiegen. Er hatte - trotz Regenwetters - Sonnenbrillen auf und begutachtete sein Spiegelbild in der Scheibe. Dann wandte er sich an eine Frau, die neben ihm stand. Es war eine sehr feine Dame mittleren Alters, die er stark lallend fragte: "Schau i oag schiach aus? Jetz’ ehrlich?“ Die Dame lächelte und sagte: "Im Gegenteil. Die Brille steht Ihnen hervorragend.“ Mehrere Stationen lang gab die Frau Stylingtipps, und als sie in der Innenstadt ausstieg, reichte sie ihm zum Abschied ihre brillantenbesetzte Hand und wünschte ihm einen sehr schönen Tag.


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