Fragen Sie Frau Andrea

Wie man Botschaften richtig faltet

Kolumnen | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Liebe Frau Andrea,

es ist ja ganz aus der Mode gekommen, das Schreiben eines Briefes. Letztens erinnerten wir uns an selige Zeiten. Und plötzlich kam die Sprache auf das Falten von Briefen. Wie und warum man das tut. Einer von uns wusste, Sie wüssten da mehr. Kann das sein? Immerhin sind Sie beim Falter.

Beste Grüße,

Trixi Bader,

per faltenloser Elektronachricht

Liebe Trixi,

Briefe werden gefaltet, bevor sie in Kuverts gesteckt werden. Die eine Faltung halbiert den Brief, die zweite viertelt ihn. Langbriefe werden entlang von Markierungen drittelgefaltet.

Das Falten eines Briefes hat nicht nur technische, sondern auch magische Gründe. Ein ungefalteter Brief ist selbst im Zustand des Fertiggeschriebenseins noch zu ungültig, um nicht in Gefahr zu geraten, zerknüllt und damit verworfen zu werden. Briefe, die es bis zur Faltung geschafft haben und damit den Weg in ein Kuvert finden, werden in der Regel auch abgeschickt. Im Falten dürfen wir den Genehmigungsvorgang sehen. Das Zukleben des Kuverts, das Aufkleben von Marken, das Verfassen einer Adresse sind nur mehr Formsachen. Im Falten liegt der Geist des Sendens.

Dabei braucht es gar kein Kuvert, um einen gefalteten Brief zu verschicken. Die Menschheit kam jahrhundertelang ohne Kuvert aus. Letzte Echos einer fast vergessenen, aber ingeniösen Falttechnik sind die Briefchen, in denen Apotheker selbstgemahlene Pulver verkaufen. Für unsere Betrachtung ist die Größe des Faltbriefes grundsätzlich egal. Kopfwehpulverbriefchen funktionieren so gut wie großformatige Liebeserklärungen.

Für einen selbst zu kuvertierenden Brief falten wir das Blatt der Länge nach in drei Teile, die Seitenteile klappen wir nach innen auf die Mitte, erst den linken, dann den rechten. Unser Brief sollte jetzt nur mehr ein Drittel so breit sein wie zuvor. Den langen Strudel falten wir nun zwei weitere Male, nun aber breitseits. Und zwar so, dass links und rechts der Strudelmitte zwei hochgeklappte Flügel entstehen, die je ein wenig kürzer als das mittlere Drittel messen, sich aber gut überlappen. Nun schiebt man den einen in den andere Lappen und versiegelt den ineinandergesteckten Brief mit Klebestreifen oder Siegelwachs. Auf der Vorderseite ist Platz für Adresse und Postwertzeichen.


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