Menschen

Misswahlfreiheit

Falters Zoo | Ingrid Brodnig Christopher Wurmdobler | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Das "Fräulein“ haben wir gottlob ja schon lange abgeschafft. Die "Miss“ wird es wohl weiterhin geben. Selbst wenn eine Miss wie Miss Candy auch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel und das eine oder andere Kerlchen an ihrer Seite hat. Jedenfalls feierte die Candy, die Heaven-Gastgeberin war eine der ersten Wiener Drag-Personen und ist eine der letzten ihrer Art, 25 Jahre Dienstjubiläum, weshalb die queere Gemeinschaft ganz aus dem Häuschen war und zumindest zu Teilen in die einst irre angesagte Vergnügungsgaststätte U4 pilgerte, um dort Torte zu essen und mit Schaumwein anzustoßen. Gibt es eigentlich auch einen Mr. Candy?

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Schön, dass Red Bull nicht immer nur mit Hochgeschwindigkeitsmaschinen durch die Weltgeschichte rast oder mit betulichen Heimatbastelabenden leise "Servus“ sagt, sondern auch irgendwas dazwischen schupft. Dieses Wochenende zum Beispiel findet hierzulande das Finale der Papierfliegerweltmeisterschaften statt (bei Red Bull heißt das natürlich "Paper Wings World Final“, aber egal). Jedenfalls kann man entweder einfach so drauflosfalten. Oder man befragt Experten wie den Science-Busters-Multiwissenschaftler Werner Gruber nach dem perfekten Papierflieger. Und Gruber? Kommt mit der Wurftechnik: "Die Kraft kommt nicht aus dem Handgelenk, sondern der gesamte Oberkörper wird wie eine Feder verdreht, um dann explosionsartig den Flieger in die Luft zu entlassen.“ Sehr gut.

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Ein Foto müssen wir noch nachreichen. Nämlich zur Enthusiasmuskolumne, die der Kollege vom Falter-Hosen-Club auf Seite 25 verfasst hat. Genau: Die Herren Tote Hosen spielten ein geheimes Wien-Konzert vin einem Hobbykeller. Campino und Co ganz exklusiv. Aber sehen Sie selbst!

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Die Schanigartensaison eröffnen ist eine Sache. Eine andere ist es, die Saison auf der Alten Donau loszutreten. Nämlich mit einem offiziellen, jährlich wiederkehrenden Fototermin. Been there, done that. Aber, das muss man Brigitte Jank und Michael Häupl hoch anrechnen, wenn die beiden erst einmal Bötchen gefahren sind, dann beginnt der Sommer. Dann wird es heiß. Und in Krems blüh’n wieder die Bäume.

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Das ist das Schöne am Donaufestival. Man geht aufs Besucherklo und dort richtet sich gerade Bianca Casady, die eine Hälfte von CocoRosie, für ihren Auftritt her. Die beiden Schwestern Bianca und Sierra Casady haben sich für Krems was ausgedacht: Unter dem Motto "ungewöhnliche Hochzeiten“ ließen sie Musiker zusammen auftreten, die gar nicht zusammenpassen. Da spielte die New Yorker Folkpopperin Diane Cluck mit der indischen Band Rajasthan Roots gemeinsam. Das Ergebnis: Man hörte zwar viel Rajasthani-Funk, aber kaum noch Folkpop. Schade. Mitreißend hingegen der Auftritt von Hip-Hopper Sissy Nobby, bei dem Antony Hegarty mittat. Die transsexuelle Sängerin Nomi Ruiz sollte wohl als optisches Schmankerl dienen, tanzte jedoch wie eine drittklassige Stripperin im Vorstadtpuff. Und zwar ohne jegliche Ironie oder subversiven Charme. Ein echt irritierender Anblick. Für so eine Tanzeinlage muss man nicht extra zum Donaufestival in Krems fahren. Da reicht auch die nächstbeste Rotlichtbar am Gürtel.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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