Kunst  Kritik

Des sammelnden Jägers schönste Trophäen

Lexikon | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Der Schweizer Sammler Hubert Looser (Jg. 1938) überlässt dem Kunsthaus Zürich einen Großteil seiner Werke. Davor sind die Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen im Bank Austria Kunstforum im Rahmen der Ausstellung "My Private Passion“ zu sehen. Es handelt sich im eine qualitätsvolle Auswahl von überwiegend US-amerikanischer Kunst, die von österreichischen Museen kaum gesammelt wurde und somit selten zu sehen ist. Mit Willem de Kooning ist der Held der New York School dabei. Vom kürzlich verstorbenen Cy Twombly kaufte der Unternehmer nicht nur die bekannten Leinwände mit den hauchdünnen Kritzeleien, sondern auch zwei seiner weniger verbreiteten Bronzen. Picasso, Giacometti, Warhol - auch die ganz großen Namen tauchen, in der Präsentation auf.

Looser gehört nicht zu den Sammlern, die mit ihren Künstlern groß wurden. Er kaufte retrospektiv das bereits Etablierte, etwa auch die minimalistischen Antipoden (Robert Ryman, Agnes Martin) zu den aufgekratzten Expressiven. Das mag eine Erklärung dafür sein, dass die gezeigten Bilder nicht aus der heißen, jungen Phase der Künstler, sondern aus späteren Perioden stammen. Von dem Arte-povera-Künstler Giuseppe Penone ist die Installation "Respirare l’ombra“ (2005) zu sehen, eine aus Lorbeer bestehende Wand, deren schwülstige Monumentalität den sinnlichen Reiz der Natur auszehrt. John Chamberlain (1927-2011) wurde in den späten 1950er-Jahren mit seinen aus zerquetschten Karosserieteilen zusammengeschweißten Skulpturen bekannt. Looser kaufte Werke von 1976, 1976 und 1991. "Archaic Stooge“ steht in Sichtweite von Willem de Koonings Spätwerk "Triptychon“ (1985), einer etwas protzigen Inszenierung künstlerischer Potenz. Der Stolz des Jägers ist in dieser auf Prestige bedachten Präsentation unübersehbar. MD

Bank Austria Kunstforum, bis 15.7.


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