Film  Neu im Kino

"50/50“ - Krebskomödie mit einer Hälfte guter Idee

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Wenn die Idee einer Einheit von Leben und Werk in Hollywood noch wo ihr ramponiertes Haupt erhebt, dann im Komödienfach. Comedy-Zampano Judd Apatow besetzt Frau und Kinder in seinen Filmen als Frau und Kinder seiner Hauptfiguren, Komiker Larry David kultiviert auf HBO sein misanthropes Image, und Drehbuchautor Will Reiser hat aus seiner Krebstherapie mit Mitte zwanzig eine Dramödie gemacht.

"50/50“ heißt sie, und Reisers Kumpel Seth Rogen gibt darin den Intimus seines Protagonisten Adam (unaufdringlich charismatisch: Joseph Gordon-Levitt). Diese Besetzung ist auch insofern programmatisch, als "50/50“ das Drama einer Krankheit in jener alltagsnahen Bubenblödelkomik erdet, mit der Rogen bekannt wurde. Ausgerechnet Reisers preisgekrönt gediegenes Skript zeigt dabei leider jene Misogynie, die derberen Buddykomödien oft pauschal unterstellt wird: Während der Kumpel Adam treu beisteht, muss die unzuverlässige Künstler-Freundin (Bryce Dallas Howard in einem unfair geschriebenen Part) durch eine nährende, heilende Frau ersetzt werden. Das ist umso auffallender, als "50/50“ seine Nebenfiguren sonst hübsch abrundet, dabei Anjelica Huston als Adams aufdringlich mitleidender Mutter sogar eine unerwartete Glanzrolle bietet.

Dem allzu unschön Schmerzhaften gehen Reisers Buch und Jonathan Levines adrette Inszenierung prinzipiell aus dem Weg, für den guten Ausgang bürgt schon Reisers biografischer Bezug. Dafür hat der Film einigen Spaß mit den sozialen Ritualen von Betroffenheit und Fürsorge. Die stets fabelhafte Anna Kendrick gibt Adams unerfahrene Therapeutin: Wenn diese an Routinen des Anteilnehmens scheitert, dann ist eine bissigere, womöglich sogar berührendere Komödie in Sichtweite als dieser beschauliche Wohlfühlfilm.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis)


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