Film  Tipp

Zug zum Thor, den Hulk im Nacken: "The Avengers“

Lexikon | Drehli Robnik | aus FALTER 18/12 vom 02.05.2012

Zwar kommen groß besetzte Nebenfiguren aus den jeweiligen Primärfilmen hier nur kurz (Gwyneth Paltrow als Iron Mans Geliebte) oder gar nicht vor (Tommy Lee Jones als Captain Americas Ausbildner). Dennoch ist "The Avengers“ übersät mit Stars unterschiedlicher Kaliber und Superhelden aus diversen - eh bald auch separat weiterlaufenden - Marvel/Disney-Franchises. Dazu gibt’s Cameos der Altspatzen Jerzy Skolimowski und Harry Dean Stanton.

Als High-Concept-Irgendwas zwischen Kinofassung eines Comic-Sonderhefts und Ensemblefilm, Mashup-Style-Spätlese und Markenfusion setzt "The Avengers“ die seit Jahren akkumulierten Halbgott-, Hulk- und Hero-Identitätskapitalien um: Nun werden Allianzen durchgespielt im Kampf gegen Thors Bruder Loki; einige Konstellationen sind reizvoll, etwa die der hormonell aufgedrehten Scientists (die bei Bedarf in Eisenhaut bzw. grüner Größe samt notorischer Hosennot agieren). Das Tempo, mit dem Robert Downey Jr. und Mark Ruffalo jeweilige Eitelkeits- und Nervositätsmarotten virtuos absondern, zeugt vom Bemühen der Regie (Joss Whedon), die in den Figuren eröffneten Potenziale in nur 142 Minuten ebenso pflichtfertig abzuarbeiten wie die 3-D-Actionroutinen in Sachen Flugkünste und Leute-an-Wände-donnern-Lassen. Scarlett Johansson war auch schon kesser.

Vermisst werden Screwball- und Kauz-Komik, Retrochic, Politik- und Geschichtsbezüge der Watch-, Iron und X-Men .Den Satire-, Weirdness- und Traumatik-Level dieser Filme unterfliegt "The Avengers“ locker. Noch größer sind wohl die Märkte, noch jünger (weniger nerdig) die Kernzielgruppen, die er anpeilt; sein Endlosshowdown mit großstadtzertrümmernden Stahlriesenraupen versprüht den Flair von HASBRO-Spielwarenadaptionskino.

Derzeit in den Kinos (OF 3-D im Artis und Haydn, OF IMAX 3-D im Apollo)


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