Mediaforschung  Nachfragekolumne

In diesen Knödeln ist eh nur Marmelade drin

Medien | Sibylle Hamann | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Okay, 50er-Jahre. Findet man jetzt wieder gut. So sexy, so cool, so geil, so retro. Zumindest, seit wir alle die Fernsehserie "Mad Men“ schauen. Man darf sich wieder mit Miedern die Wespentaille schnüren und vor dem Spiegel üben, wie man eine Rotfuchs-Stola um den Hals drapiert. Die Oberweite mit Taschentüchern ausstopfen, damit der Chef bei Bedarf auf dem Plateau sein Whiskyglas abstellen kann.

Beim Gang zum Kaffeeautomaten immer drauf achten, wer aller einen grad beobachtet, dann ordentlich mit dem Arsch wackeln wie Schauspielerin Christina Hendricks, die Naht hinten am Strumpf sollte stets kerzengerade genau in der Mitte der Wade verlaufen. Regelmäßig am Klo den Lidstrich nachziehen, dann kommt das anzügliche Zwinkern besser rüber. Man hat schließlich sonst nichts zu tun in einer Werbeagentur.

Wenn neuerdings sogar die fortschrittlichsten Zeitgenossinnen in unkritischer Fifties-Nostalgie schwelgen, dann darf das ein Favoritner Eissalon schon lang. Besonders, wenn er tatsächlich aus den 50ern stammt. Lassen wir sie also heraushängen, die saftig und prall gefüllten Knödel.

Der Unterleib ist keusch im Schuppenmieder verstaut, auf dem BH kann man tatsächlich ein Tablett abstellen, die Haarfarbe ist die von Christina Hendricks und der Lidstrich sitzt perfekt. Ja, selbstverständlich müssen die Fifties, auch am Reumannplatz, eine ganz schreckliche Zeit gewesen sein. Aber zwinker, zwinker, ernst gemeint ist es eh nicht. Schön anzuschauen war’s halt.


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