Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die besten Gedanken zum Tag der Welt der Woche

Zuversicht in Gestalt eines Milchreises

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Wenig gelesen, kaum geehrt - die Bücher des deutschen Autors, Künstlers und Musikers Thomas Kapielski sind so weit weg von dem, was Medien und Denker heute als Fragen der Zeit beschäftigt, dass man sie bei flüchtiger Betrachtung für schrullig halten könnte.

Vorbei ist’s nämlich mit den Kalauern, die der Berliner Denker und Trinker ("Nüchtern bin ich besser - aber besoffen geht es mir besser!“) in früheren Büchern wie "Davor kommt noch“ großzügig unters Volk brachte. In seinen späteren Werken sind es immer mehr die alten Philosophen und der katholische Glauben, die den Verfechter des Stammtisches und des freien Wortes ebendort umtreiben.

Der Mann bewegt sich in Sphären, in denen der durchschnittlich gebildete Leser höchstens jeden zweiten herbeizitierten Denker kennt. Eine weitere Lesehürde stellt Kapielski auf, indem er sich einer antiquierten Wortwahl bemächtigt und auch einmal - mehr traurig als kulturpessimistisch - den allgegenwärtigen "Wortschwund“ beklagt. Sein jüngstes Buch "Neue Sezessionistische Heizkörperverkleidungen“, handelt vom Reisen und Zuhausebleiben, von Familie und Ehe, von Kunst und vom Wetter - nicht jedoch von sezessionistischen Heizkörperverkleidungen. Das Schöne daran: Hat man sich erst einmal auf dessen Welle begeben, begreift man, dass Kapielski von Dingen spricht, die uns alle betreffen.

Es geht um das gelungene Leben. Kapielski sucht es in heiterer, wenn auch stets nachdenklicher Sanftmut und in bescheidenem Genuss: "Auf morgen aber hoffte ich Zuversicht und Frühstück zu empfangen in Gestalt eines Milchreises mit Zimtzucker und Apfelschnitzen. Beigemischt sei jeder Speise eine Prise Übermut und Frohmut! (...) Nütze die Zeit, denn die Tage sind nicht so schlimm!“


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