Urbanes Betragen

Stadtleben | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Benimmfibel für Großstadtmenschen (63)

Herr W. möchte wissen, ob er auch hausfremde Besucher grüßen muss, wenn er ihnen in seinem Stiegenhaus begegnet.

Werter Herr W., man könnte Ihre Frage mit einem simplen wie knappen Ja beantworten: Es ist die Höflichkeit, die es gebietet, auch Unbekannte zu grüßen, wenn sie Ihnen im Hausflur begegnen. Die Frage ist aber viel mehr jene nach dem Warum - man grüßt ja schließlich auch keine Fremden auf der Straße. Je näher Unbekannte in die sogenannte Intimdistanz vordringen, jener Radius, den ausschließlich geduldete Personen betreten dürfen, desto stärker der Drang zu reagieren. Anders als beim quälenden Körperkontakt, zu dem einen übervolle Busse, Straßen- oder U-Bahnen zwingen und bei dem man im Geiste nach Schweiß stinkende Nachbarn vierteilt, ist die Annäherung an die eigene Wohnungstür duldbar. Reagieren muss man aber dennoch, also grüßt man, um das Revier abzustecken.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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