Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Die verbotene Stadt

Steiermark | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Vergangene Woche trat das von ÖVP und FPÖ beschlossene erweiterte Alkoholverbot in Kraft. Zu Beginn wusste allerdings keiner genau, wann. Eigentlich war der Start für Mittwoch angekündigt, doch am Morgen stellte sich heraus, dass das Amtsblatt noch nicht erschienen war. Dies sprach sich unter den Suchtkranken am Billa-Eck, die der Grund für die Erweiterung der Zone sind, herum. Sie begossen die Gnadenfrist mit Bier. Die Grünen - Koalitionspartner der ÖVP auf Stadtebene - verteilten aus Protest Rumkugeln. Eine Facebook-Gruppe rief zum Flashmob auf dem Hauptplatz auf. Gut 20 Leute prosteten einander mit Wasser in Alkoholflaschen lauthals zu. Gewissenhaft die Ordnungswache: Ein Wächter roch sogar an der Flüssigkeit - Strafen setzte es vorerst nicht.

Seit genau einem Jahr ist in der Steiermark das Betteln verboten. Kürzlich ließ der Bürgermeister den Pavillon im Stadtpark einzäunen, damit dort keine sogenannten Punks mehr lagern können. Nun hat Siegfried Nagl auch noch das Alkoholverbot auf die halbe Innenstadt ausgedehnt, nur um eine Gruppe Suchtkranker zu vertreiben. Das Problem wird sich freilich bloß verlagern: Ein Billa-Eck-Besucher berichtete, dass sich dieselben Leute nun vermehrt am Murufer treffen. Der öffentliche Raum, die Straßen, die Plätze dieser Stadt werden zunehmend mit Verboten belegt. Durch sie werden die Armen, die Suchtkranken, die Außenseiter aus dem Blickfeld verbannt. Wer an einem Standl lehnt oder in einem Gastgarten sitzt, darf weiterhin bechern. Das würde der Bürgermeister nie verbieten. Schließlich hat ihm die Brauunion kürzlich den Titel "Bierbotschafter 2012“ verliehen.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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