Menschen

Feinschmeck’s

Falters Zoo | Ingrid Brodnig, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Wenn ein Magenbitterhersteller die "Feinschmeckerin des Jahres“ kürt, was kommt als Nächstes? Vergibt McDonald’s Literaturpreise? Jedenfalls hat es heuer unsere Lieblingsköchin Sarah Wiener getroffen. Weshalb die Auszeichnung gerade jetzt kam, war zwar nicht klar. Hübsch ist allerdings, dass es Menschen gibt, die Underberg heißen: Christiane Underberg und Hubertine Underberg-Ruder gaben die Gastgeberinnen bei den Reitbauers im Steirereck, Schauspieler Tobias Moretti war da, Staatsoperndirektor Dominique Meyer und Noch-Raiffeisenchef Christian Konrad. Und wo war das ganze sonstige Seitenblickepersonal? Natürlich im Marchfelderhof, beim Feinschmecken.

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Der deutsche Pianounterhaltungskünstler Bodo Wartke gastierte in der fast ausverkauften Stadthalle (allerdings: Halle F) und bekam schon eine Menge Vorschussapplaus einfach nur fürs Dasein. Schon gut. Ein bisschen weniger einstudiert und etwas spontaner hätte uns der Abend aber auch gefallen. Herrgottnochmal ist der Mann brav. Aber Wartke muss es auch allen recht machen: den Omas, den Müttern und den Enkeln. Weshalb er auch einen besonders heißen Song zum Besten gab, in vier Varianten für vier verschiedene Altersgruppen geeignet. Der Gag war dann aber eh nicht so irre heiß, sondern bloß lauwarm.

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Wer eine Lieblingsköchin hat, hat auch einen Lieblingsschauspieler. Zum Beispiel Michael Ostrowski. Der Grazer hat nun auch eine Satiresendung. Gemeinsam mit Theater-im-Bahnhof-Kollegin Pia Hierzegger lotet er ab diesem Donnerstag auf Puls 4 in "Demokratie, die Show“ (21.20 Uhr) die Grenzen des guten Geschmacks und des gepflegten politischen Witzes aus. Mit dabei, glücklicherweise nur telefonisch zugeschaltet, ist der "gerade richtig gebräunte Streber des Korruptionsausschusses“ (Ostrowski) Stefan Petzner. Man sollte sich vielleicht dazuschalten.

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Nackte Haut: Davon gab es viel am letzten Tag des Donaufestivals zu sehen. Wir sind ja immer ganz traurig, wenn das sympathischste Festival der Wachau vorüber ist. Wer versorgt uns dann mit den queeren Acts? Wer zeigt uns seine Brüste? Oder tritt in Unterwäsche auf? An Tag sechs des Kremser Festivals fielen fast schon jene Künstler auf, die auf der Bühne angezogen blieben. Andrew Butler von Hercules and Love Affair ist dafür bekannt, sein Leiberl bei Liveshows zu verlieren. Der trainiert sicher das ganze Jahr fleißig, nur um in der Festivalsaison dann die Muckis herumzuzeigen. Auch die Damen und Herren vom Tittentsunami-Ensemble namens Dolce after Ghana traten oben ohne auf. Dazu das schöne Motto der Moderatorin namens She Man: "Titter statt Twitter!“. Das absolute Highlight des Abends waren aber die Lesbians on Ecstasy, die vier kanadischen Elektropunkerinnen spielten noch bis über die Sperrstunde hinaus. Und begeisterten das Publikum - das funktioniert übrigens auch, ohne die Hüllen fallen zu lassen.

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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