Tiere

Namenlos

Falters Zoo | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Mit Verwunderung las ich, dass Tirol Vergrämungsteams für M12 und M13 aufgestellt hat. Wodurch will man den Kugelsternhaufen im Sternbild des Herkules, im Messier-Katalog als M13 bekannt, vergrämen? Oder ging es dabei eher um die italienische Maschinenpistole Beretta M12? Weder noch, gemeint sind zwei Braunbären. Diese werden aber jetzt nicht mehr so persönlich - wie der 2006 in Bayern abgeschossene Bär Bruno - mit Namen adressiert, sondern durchnummeriert. M steht für männlich (lat.: maskulinum), F für weiblich (femininum). Danach kommt eine fortlaufende Zahl, die der Reihenfolge der neugeborenen Jungbären seit 2008 entspricht. Also meint "M12“ den 13. männlichen Bären, der in Südtirol genetisch identifiziert wurde.

Auch bei der Diversifizierung des drolligen Begriffs "Problembär“ hat sich einiges getan: Als Anfang der 1990er-Jahre ein "Ötscherbär“ durch Niederösterreich und auch die Medien wanderte, erklärte der ehemalige Moderator der ORF-Fernsehsendung "Inlandsreport“, Helmut Brandstätter, "Problembär“ scherzhaft zum "Wort des Jahres“. Nachdem der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber den eingangs erwähnten Bruno als "Schadbären“ einstufte und abschießen ließ, wurde er selbst zum Problem und verschwand im Unterholz der Politik.

Die Schweiz hat den Ausdruck mit bekannter Gründlichkeit bearbeitet und differenziert bei der Risikoeinschätzung mittlerweile zwischen einem "unauffälligen Bären“ (integrierter Migrant, bereit, die deutsche Sprache zu erlernen, darf bleiben), "Problembären“ (schnorrt Leute an, trinkt Alkohol in der Öffentlichkeit, wird eingeladen zurückzukehren) und dem "Risikobären“ (lässt sich nicht mehr abschieben, nur abschießen). Aber das Volk denkt anders und vergab einen passenderen Namen wie "Inspektor Bär“.

Die Geschichte dazu erinnert an eine Rube-Goldberg-Maschine: M13 warf in der Nähe des Tiroler Grenzorts Spiss einen Baum um, dieser fiel auf einen Strommast und löste dadurch einen Brand aus. Deswegen rückten Polizei und Feuerwehr aus und entdeckten bei ihrer Suche nach dem Verursacher einen fast nackten Toten. Inspektor Bär klingt eindeutig besser als M 13.

Der Tiroler Bärenbeauftragte Martin Janovsky sieht das auch so. Auf die Frage, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Bären verhalten soll, meinte er: "Respekt zeigen.“ Yo, man!

Eine Rube-Goldberg-Maschine erledigt Aufgaben in einer Art Kettenreaktion und in umständlichen, komplizierten Einzelschritten

zeichnung: püribauer.com


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