Theater  Kritik

Was stark anfängt, lässt stark nach

Lexikon | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Das vorletzte Stück des englischen Dramatikers Simon Stephens ist nach dem tiefsten See Englands benannt, spielt aber rund um den Flughafen Heathrow. Gemeinsam haben die drei lose verbundenen Szenen, aus denen "Wastwater“ besteht, auch die Konstellation: Gezeigt werden drei - denkbar verschiedene - Paare. In der ersten Szene nimmt eine Frau Abschied von ihrem Ziehsohn; in der zweiten wird ein Date in einem Hotelzimmer dadurch erschwert, dass die Frau dem Mann ihre bizarre Vorgeschichte erzählt; die dritte Szene ist die unheimliche Geschichte eines Mannes, der illegal ein Kind gekauft hat.

Genau vor einem Jahr war die Londoner Uraufführungsproduktion bei den Wiener Festwochen zu sehen; jetzt steht im Akademietheater die österreichische Erstaufführung auf dem Spielplan. Im Gegensatz zum Naturalismus von Katie Mitchells Londoner Version setzt Stephan Kimmig in Wien auf szenischen Purismus: Alle drei Szenen spielen im selben nackten, fast leeren Raum. Das bedeutet: Alle Konzentration auf die Schauspieler! Doch die spielen da nur bedingt mit.

Ihren Höhepunkt erreicht die Inszenierung - dramaturgisch etwas ungünstig - gleich zu Beginn. Erstens ist die Abschiedsszene zwischen einer Ziehmutter und ihrem nach Kanada auswandernden Ziehsohn sowieso der stärkste Teil des Stücks, zweitens spielen Elisabeth Orth und Daniel Sträßer sehr schön zwei Menschen, die aus verschiedenen Gründen Angst davor haben, einander ihre Gefühle zu offenbaren. Dass die zweite Szene nicht so komisch ist, wie sie sein könnte, liegt vor allem daran, dass Andrea Clausen die Beschädigungen ihrer Figur viel zu schnell viel zu deutlich macht. Und der schon in der Vorlage etwas unlogische Psychoterror der letzten Szene funktioniert gar nicht, weil von Mavie Hörbiger nicht die geringste Bedrohung ausgeht. WK

Akademietheater, Sa 20.00


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