Musik  Tipp Pop

Neues von Bunny Lake: The Sound of Sehnsucht

Lexikon | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Mitte der 1980er-Jahre haben die Einstürzenden Neubauten ein legendäres Konzert in der Wiener Arena gespielt. Es endete damit, dass die Bühne in Brand stand und der Saal geräumt werden musste. Christian Fuchs war damals dabei, als Schüler per Autostopp aus der Steiermark angereist. Am Tag nach dem Konzert hat er sich eine Gitarre gekauft und begonnen, selbst Krach zu schlagen.

Wenn der längst vom Lärm geheilte Wiener Musiker und Journalist dieser Tage das vierte Album seiner mit der Sängerin Suzy On Rocks betriebenen Band Bunny Lake präsentiert, schließt sich in gewisser Weise ein Kreis: Die Platte endet mit einer Coverversion von "Sehnsucht“, einem Song aus dem ersten Album der Neubauten. Im Original eine kurze Hardcore-Ballade zur Klavierbegleitung, machen Bunny Lake daraus ein leicht wehmütiges Stück Technopop, das im Kontext des gesamten Albums "The Sound Of Sehnsucht“ weit weniger irritiert, als es das Original inmitten des störrischen Schrottplatzsounds der LP "Kollaps“ einst tat.

"The Sound Of Sehnsucht“ ist die logische Konsequenz der bisherigen Entwicklung des Duos. Begonnen hatte Bunny Lake als Partykommando, das lustvoll den Exzess predigte, unterlegt von hartem Elektrorock. Das dritte Album, "The Beautiful Fall“, änderte 2010 die Marschrichtung, der Pop kam ins Spiel, die Schwelgerei und die Zärtlichkeit; mit einem Bein stand die Band aber unverändert im Club. Auf "The Sound Of Sehnsucht“ bleibt die Musik zwar tanzbar, anstatt harter Beats dominieren aber atmosphärische Synthieflächen, Ohrwurmmelodien sind nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel, und die Lust am Auszucker ist einer ganz speziellen Emotionalität gewichen, die jenes diffuse Gefühl geschickt in Musik übersetzt, wenn etwas Altes endet, das kommende Neue aber noch nicht klar erkennbar ist. GS

Pratersauna, Mi 21.00 (Konzertbeginn: 24.00)


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