Film  Neu im Kino

"Project X“: mit Flammenwerfer und Handkamera

Lexikon | Joachim Schätz | aus FALTER 19/12 vom 09.05.2012

Der Kultur der digitalen Selbstaufzeichnung hat sich im Erzählkino bislang vor allem der Horrorfilm angenommen: Wenn No-Name-Darsteller in wackelige Kameras sprechen und später kreischend mit ihnen herumlaufen, so verleiht das alten Monstern neue Dringlichkeit. Mit "Project X“ kommt die Mockumentary mit DIY-Anstrich nicht nur im Komödienfach an, sondern auch an der High School, wo Kernzielgruppen von Kino und Social Media sitzen. Die Chronik einer aus dem Ruder laufenden Party setzt sich aus den Aufzeichnungen etlicher verteilter Handykameras zusammen. Trotz des alltagsnahen Szenarios bürgen die falschen Amateuraufnahmen aber weniger für Beobachtungsgenauigkeit als für spektakuläre Schauwerte. Wie die "Hangover“-Komödien, deren Regisseur Todd Phillips hier produzierte, legt "Project X“ eine Dramaturgie der Überbietung an aktuelle Bubenkomik an, die verbissen und zugleich restaurativ wirkt: Die Feier verwüstet die Nachbarschaft - und beweist einem Vater, dass sein Sohn ein ganzer Mann ist. Die bösesten Pointen gehören einem Latino und einem Afroamerikaner: Als Security schützen sie den Spaß der feiernden weißen Kids mit beängstigender Konsequenz.

Derzeit in den Kinos (OF im Artis)


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