Musik Tipp Pop

Die New-Order-Showband spielt ihre größten Hits

Lexikon | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Bernard Sumner, Kopf von New Order

Die aus Manchester stammende Band New Order befindet sich derzeit wieder einmal auf Tournee. Warum auch nicht. Zu hören ist kein neues Material, sondern ein Best-of-Set der Gruppe, die in den 1980er-Jahren ihre Hochzeit erlebte, Mitte der 1990er untertauchte und sich in den Nullerjahren mit einem sehr guten und einem weniger guten Album zurückmeldete, um sich danach in Streitereien zu verlieren. Auch das ginge ja noch an, wenn es auch etwas merkwürdig anmutet, dass jene Kombo, die aus der legendären Postpunkband Joy Division hervorging, wie Hippiebands der 1960er-Jahre mit einem Greatest-Hits-Set tingelt.

Zur Farce wird die Angelegenheit allerdings dadurch, dass New Order ohne ihren Bassisten Peter Hook, der mit seinem unnachahmlichen Spiel ein entscheidender Faktor im Sound der Band war, touren. Hook hatte New Order nach dem letzten Studioalbum "Waiting for the Siren’s Call“ (wahrscheinlich zu Recht) an einem Endpunkt gesehen und war ausgestiegen. Eine rockdinosaurierwürdige Schlammschlacht, ob sich die noch verbliebenen Bandmitglieder - Sänger Bernard Sumner und Drummer Stephen Morris - weiterhin New Order nennen sollen, folgte. So polterte Hook, der in der Band die Rolle des sympathischen Prolls einnahm, in seinem Blog: "You are no more New Order than I am!“

Mit stiller Freude sei immerhin vermeldet, dass Keyboarderin Gillian Gilbert aktuell wieder mit von der Partie ist - und doch hat man den Eindruck, als sei bloß eine New-Order-Showband unterwegs, um für ihre Fortysomething-Fans nochmal ein bisschen Halligalli zu machen. Joy-Division-Zugaben inbegriffen. "Wer jung bleiben will, muss früh damit anfangen“, rät die Alltagsphilosophin Polly Adler in ihrem neuen Buch. Beim New-Order-Konzert im Gasometer ließe sich Feldforschung zu diesem Thema betreiben. SF

Gasometer, Fr 20.00


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