Kommentar  

Kultusgemeinde vs. Leopold Museum: Der Streit geht weiter

Restitution

Falter & Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Und wieder kommt das Leopold Museum wegen seiner Schieles ins Gerede. Das Bild "Häuser am Meer“ wurde von Historikern schon vor Jahren als Raubkunst erkannt.

Wäre das von Rudolf Leopold (1925-2010) gegründete Museum ein ganz normales Bundesmuseum, hätte es das kostbare Objekt längst an die Erben der von den Nazis verfolgten Sammlerin Jenny Steiner zurückgegeben.

Mit der Begründung, als Privatstiftung falle das Leopold Museum nicht unter das Kunstrückgabegesetz, konnten Leopold und seine Nachfolger auf Zeit spielen. Statt der Naturalrestitution schlossen sie finanzielle Vergleiche mit den rechtmäßigen Eigentümern ab.

Stolz präsentierte das Museum vor einem Jahr die Einigung mit einer der Erben, einer Enkelin Jenny Steiners. Sie hatte einem Vergleich zugestimmt. Die Verhandlungen mit zwei weiteren Erbengruppen scheiterten nun.

Das Museum wollte in den Vertragstext eine Formulierung aufnehmen, die den Erben und deren Vertretern, der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), gar nicht gefiel. Der Vergleich solle "fair und gerecht“ genannt werden.

Der Gerechtigkeit könne nur durch eine Rückgabe und nicht durch einen Deal Genüge getan werden, argumentiert nun die IKG.

Die Formulierung "just and fair“ sei ein Hohn, wenn sie in Zusammenhang mit den Tricks des Leopold Museums verwendet würde.

Ein weiteres Mal erklärt die IKG das Leopold Museum zum Restitutionssünder. Der Anlass ist leider zu abstrakt, die Beteiligten - Rechtsanwälte, Stiftungen - zu anonym, als dass damit das Unrecht des NS-Raubzugs offenbar würde.


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