Am Apparat  

Ist Österreichs Entwicklungshilfe feudal, Herr Thaler ?

Telefonkolumne

Politik | Anruf: Wolfgang Zwander | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Die Österreichsektion von Ärzte ohne Grenzen kündigte an, sie werde ihre Zusammenarbeit mit der Austrian Development Agency (ADA) beenden. Die ADA ist die Agentur der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit; sie entscheidet darüber, wo und wie österreichisches Steuergeld im Ausland für humanitäre Zwecke eingesetzt wird. Der Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Mario Thaler spricht über den Konflikt.

Herr Thaler, warum haben Sie der ADA die Zusammenarbeit aufgekündigt?

Es war von Anfang an keine echte Partnerschaft. Es wurde keines unserer Projekte tatsächlich unterstützt und die Entscheidungen der ADA, welche Organisationen mit Mitteln in welcher Höhe unterstützt werden, sind sehr intransparent und zu hinterfragen. Die ADA vergibt Hilfsmittel vor allem nach dem CNN-Emergency-Prinzip. Das soll heißen, sie unterstützt Krisengebiete, die ohnehin eine sehr große Medienaufmerksamkeit erhalten. Uns interessieren aber gerade auch die vergessenen Krisen, aber an denen hat die ADA wenig Interesse.

Sie haben der ADA auch "feudales Verhalten“ vorgeworfen. Was haben Sie damit gemeint?

Damit meinte ich nicht nur die ADA, sondern auch das Außenministerium und die für humanitäre Hilfe zuständigen staatlichen Behörden. Hier herrscht eine Mentalität, die Katastrophenhilfe nicht als eine von den Menschenrechten abgeleitete Pflicht sieht, sondern nur als gönnerhaften Akt zwischen reichem Geber und armem Empfänger.

Was war der Grund, Ihre Entscheidung jetzt zu öffentlich zu machen?

Wir haben 2011 um Unterstützung für ein Projekt in Äthiopien angesucht und nun eine Absage erhalten, die sich auf einen Formalfehler bezog, der bei einem gleichzeitig eingereichten Projekt einer anderen Organisation keine Rolle spielte. Damit war für uns alles klar.


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