Das Loblied auf Brüssels Bürokraten

Politik | Essay: Robert Menasse | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Wer sind diese EU-Bürokraten, diese Beamten neuen Typs, die wir Eurokraten nennen? Der Schriftsteller Robert Menasse flog nach Brüssel, nahm sich eine Wohnung und versuchte, möglichst viele von ihnen kennenzulernen. Dann erlebte er eine Überraschung

Unter allen Monstern, vom Basilisken über Graf Dracula bis zu King Kong, nimmt der Beamte eine herausragende Stellung ein. Denn sein fantasiertes Wesen ist nicht bloß das Produkt der Angstlustträume des Spießers, der immer wieder Bedrohung und Untergang fantasieren muss, um seine letztendliche glückliche Errettung träumen zu können, sondern ist eine wahrlich gesamtgesellschaftliche Fantasie: Die Figur des Beamten setzt sich aus den Negativbildern aller sozialen Klassen oder Berufsstände der Gesellschaft zusammen.

Der Beamte ist privilegiert und dabei weltfremd wie ein dekadenter Aristokrat; behäbig und verbohrt wie der Kleinbürger; regulierungssüchtig wie ein Arbeitnehmervertreter, dabei so arbeitsscheu wie ein Lumpenproletarier;


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