Kurzzeitkieberer mit Langzeitkabane

Feuilleton | Nachruf: Klaus Nüchtern | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

TV-Autor Ernst Hinterberger sah sich als Advokat der "klaanan Leid“ - und war trotzdem populär

Die Folklore schleift die Kanten ab. Aus Ekelpaketen werden Originale, die im Lichte des Lokalkolorits milde zu leuchten beginnen. Den weichgezeichneten Grätzelregionalismus mit seinen ständig über den Naschmarkt oder Karmeliterplatz wankenden pittoresken Halbwelttypen gab es noch nicht, als Ernst Hinterberger mit seiner Serie "Ein echter Wiener geht nicht unter“ Fernsehgeschichte schrieb.

Ursprünglich als zweiteiliger Fernsehfilm konzipiert, strahlte der ORF die schließlich 24 Folgen umfassende Serie ab dem 8. Juni 1975 aus. Wer die Aufregung, die die Favoritner Hacklerfamilie, allen voran der Schwechater Bier saufende Patriarch Edmund "Mundl“ Sackbauer, damals auslöste, nicht selbst erlebt hat, kann sich heute, da alles längst "Kult“ geworden ist und Mundl-Sprüche wie "Mei Bia is ned deppat“ auf T-Shirts gedruckt werden, gar nicht mehr vorstellen.

Das wohlwollend gemeinte Epitaph


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