Tanz der Vampire: Herr Depp muss meistens deppert sein, doch Tim fällt nicht viel Neues ein

Feuilleton | Filmkritik: Michael Pekler | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Tim Burtons Filme funktionieren wie Zeitkapseln. Die darin eingeschlossenen Figuren bewegen sich wie Puppen durch ein perfekt ausgestattetes Interieur, das sich je nach Tonlage mal in schriller Buntheit, mal in düsterem Schwarzweiß präsentiert. Gleichzeitig erweisen sich diese künstlichen Welten gerade aufgrund ihrer Vollkommenheit zunehmend als gläsernes Gefängnis vor allem für Burtons Langzeitstar Johnny Depp.

Was allgemein als kongeniale, der Exzentrik frönende Partnerschaft betrachtet wird, ist jedoch zur Wiederkehr des Immergleichen in neuer Kostümierung geworden: Auf den kapriziösen Schokoladenfabrikanten Willy Wonka folgte der mordende Barbier Sweeney Todd und auf diesen der rotschopfige Mad Hatter aus "Alice in Wonderland“.

Dass Burton und Depp nun mit "Dark Shadows“ beim Subgenre des Vampirfilms angekommen sind, ist doppelt konsequent: Einerseits erweist sich Burton mit der Ausgrabung einer US-Fernsehserie gleichen Titels einmal mehr als geschickter Verwerter der Popkulturgeschichte; andererseits kann die Auferstehung des Vampirs Barnabas, der nach 200 Jahren in neuenglischer Erde zufällig das Licht der frühen 1970er-Jahre erblickt, schon wieder als Sinnbild der eigenen Arbeitsweise gelten.

Das Problem an "Dark Shadows“ ist, dass er (fast) alle Versatzstücke des Genres ausbuchstabieren will und sich dabei doch nur in Ansätzen verliert. Während der blutdürstige Aristokrat als Zeitreisender seinen Nachkommen zu neuem Wohlstand und altem Anstand verhilft, geht der culture clash über die Fasziniertheit von Popmusik und Lavalampe nicht hinaus. Für eine Vampirkomödie alten Stils ist "Dark Shadows“ nicht lustig genug, für ein Drama über Begehren und Verzehren fehlt dem Film - trotz Eva Green als Hexe, die den Kampf gegen den von ihr seinerzeit verzauberten Barnabas mit erotischen Waffen fortsetzt - der nötige Sex. Auch wenn man in diesem Fall das Wortspiel wohl vermeiden sollte: "Dark Shadows“ ist ein blutleerer Film.


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