Der Tuttifrutti-Klassizismus des Johann N.

Feuilleton | Buchkritik: Klaus Kastberger | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Aus Anlass seines 150. Todestages am 25. Mai erscheinen zwei Biografien von Johann Nepomuk Nestroy

Alle kennen Johann Nestroy, dessen hagere Gestalt auf den Rollenfotos ein Jahr vor seinem Tod: Als Jupiter ist Nestroy da mit einer übermächtigen Krone zu sehen, die alles erdrückt, oder als Knieriem mit zum Gruß erhobener Hand - eine Rolle, die er gezählte 258 Mal gespielt hat.

Ein Foto, das bis heute Nestroy-Bücher als Cover ziert (so auch Renate Wagners neue Biografie), zeigt die baumlange Gestalt des Mimen als Tratschmiedl in der Posse "Der Tritschtratsch“. Eine Schwanenfeder steht seitlich vom Käppchen weg, ein überdimensionales weißes Tuch ist um den Hals gebunden. Daumen und Zeigefinger hält er vor dem Gesicht seltsam affektiert aneinandergezwirbelt, so, als wollte er sich eine Prise Schnupftabak genehmigen, doch weiß man nicht so recht, was diese Geste im Zusammenspiel mit dieser Mimik bedeuten soll: Trinkt hier eine zu alte Dame Kaffee aus zu feinem Porzellan oder verlacht


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