Urbanes Betragen

Benimmfibel für Großstadtmenschen (64)

Stadtleben | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Herr S. wüsste gerne, ob es unhöflich ist, Arbeitskolleginnen oder tätowierte Bekannte zu fragen, was die schwer lesbaren Worte oder unbekannten Symbole an sichtbaren Stellen bedeuten?

Auch wenn Tätowierungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum modischen Gimmick verkommen sind, so gibt es immer noch Leute, für die sie nicht bloße Pose sind, sondern das Markieren eines einschneidenden Erlebnisses: einer glücklichen Erinnerung, etwa der Geburt eines Kindes, oder eines tiefen Schmerzes. Es sind intime Zeichen, umso mehr, wenn das Motiv unlesbar ist. Deshalb: Fragen Sie nur dann nach, wenn Sie tatsächlich etwas über das Leben jener Bekannten oder Kollegin wissen möchten. Denn auch wenn das Bild, das Wort an einer für alle sichtbaren Stelle prangt, es ist dennoch ein persönlicher Platzhalter. Möglicherweise lauert sogar hinter dem Arschgeweih eine Legende.

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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