Phettbergs Predigtdienst

Jetzt gälte es, Jesu Hand zu sein

Kolumnen | aus FALTER 20/12 vom 16.05.2012

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr

Heute war der 5. Ostersonntag, nach Johannes: Gott ist der Winzer, Jesus ist der Rebstock und "wir“ sind die Reben. Eigentlich tritt jedes schwache schwule Geschlecht aus der Kirche aus, aber ich bleib, denn ich bin stark genug, mir das Evangelium auf schwul zurechtzuzimmern: Wir Homosexuellys, Lesbys und Zwittys sind auch nur der Auferstandene. Denn wir (alle Gläubys) sind nur dann Gläubys, wenn wir der händelose Jesus werden. Da ich nie in die Situation komme, die Arme Jesu zu sein. Meine Phasen Gottys gehen so schnell, dass ich immer zu langsam auf die Idee komme, jetzt gälte es, Jesu Hand zu sein! Aber Gotty hat ewige Geduld, wenn ich jetzt nicht lauern würde, dass die nächste Phase bestimmt kommt, wär die Chance noch elender, Jesu Hände wachsen zu lassen.

Um meine Kollegialität mit aller lesbi-schwul-zwitter-polysexueller Welt zu symbolisieren, hab ich zwei Dinge mir beschlossen: Gotty gibt es sowieso nur am Papier und in Jesu Ideenwelt, der Solidarität des Brotbrechens. Daher geh ich erstens nur einmal im Jahr, am Ostersonntag, um die Kommunion, und zweitens darf mich kein r.-k. Personal dann begraben, nur eine brennende Kerze, sonst Schweigen.

Alle im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern wissen von meiner schwulen Welt, ich bin quasi ein öffentlicher Sünder. Dass der Papst sich so schwertut, diese Predigt zu begreifen? Klar, auch ich wär lieber hetero als schwul, aber ich bin nun einmal voll Sexualität. Wenn es Gotty gibt, dann wird es das wohl begreifen, ich wett! Oder will das R.K.-Tum nur dümmliches Publikum? Dann nur zu. Jesus steht zu mir, auf jeden Fall, "Küchenjunge Leon“, diese Theaterrolle von Grillparzer, jedenfalls er kann nicht lügen. Ein Leben im geheimen Schwulsein ist mir zumindest nicht möglich gewesen. Weihbischof Krätzl hat mich Gott sei Dank eh entlassen. Das war vor ewigen Tagen, heute ist der 5.5.12, morgen wird ein urdicker Vollmond sein, denn er kommt uns ganz nahe. Das haben wir alles erforscht. Wer schreibt noch Briefe an ein r.-k. Gotty? Ein aberwitziger Knabe aus Unternalb, zu Vollmond.

Montag, 21. Mai, 19 Uhr, hab ich einen Termin, wo ich im Albert Schweitzer Haus beitragen möge, wie der Körper junger Männer einheizt.

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