Vor 20 Jahren im Falter  Wie wir wurden, was wir waren

Idiotenfülle

Falter & Meinung | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Allerhand Altes und Neues kommt einem in diesem Falter entgegen, Bekanntes, allzu Bekanntes und leider auch allzu Vergangenes. Das allzu Bekannte: Staberl, der Oberkolumnist der Kronen Zeitung, hatte in seiner Kolumne Sätze geschrieben wie "Die Wahrheit ist wohl einfach. Nur verhältnismäßig wenige der jüdischen Opfer sind vergast worden (...) In den KZs der Nazis und den Kriegsgefangenenlagern der Russen ist es laut Aussagen von Überlebenden beider Gruppen ähnlich verzweifelt zugegangen.“ Mit wenigen Ausnahmen, zu denen der Falter gehörte, blieb die österreichische Öffentlichkeit schmähstad. Paul Grosz, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, erstattete Anzeige bei der Staatsanwaltschaft.

Das Bekannte: Ein junger, "streitbarer Priester“ war soeben zum Caritas-Chef ernannt worden und sagte im Falter-Interview mit Thomas Vašek saftige Sätze zum von ihm angeschlagenen Thema "Konsumfaschismus“: "Der Konsumfaschismus ist farb,- geruch- und geschmacklos. Ein unauffälliger, aber wirksamer Totalitarismus einer Konsumgesellschaft, die sich dazu entschlossen hat, auf Kosten der Schwächsten zu leben.“

Zur Rubrik allzu Bekanntes zählen die Schlusssätze einer Jan-Tabor-Glosse über die Gestaltung des Michaelerplatzes durch Architekt Hans Hollein: "In Wien herrscht wieder arge Wohnungsnot. Irgendwas muss moderne Kommunalpolitik anbieten. Also: Stadtkitsch statt Kommunalwohnungen.“

Für das leider Vergangene ist Wendelin Schmidt-Dengler zuständig, der viel zu früh verstorbene Germanist (und Falter-Autor). Im Gespräch mit Klaus Nüchtern sah er sich das erste Mal gezwungen, über sich selbst zu sprechen, und das anlässlich seines 50. Geburtstags.

Nein, die Studenten würden nicht dümmer, versicherte er. "Wir haben wirklich sehr gute Studenten. Natürlich gibt es auch eine Fülle von Idioten.“ Und: "Mich wird niemand dazu bewegen, einen Roman oder sonst etwas (Literarisches, Anm.) zu schreiben. Das finde ich einfach unanständig.“ Dabei ist er auch geblieben. aT


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