Meinesgleichen

Novomatic-Inserate, aber keine Novomatic-Berichte?

Falter & Meinung | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Es ehrt die Leserschaft des Falter, dass sie hochsensibel nicht nur auf Berichte dieser Zeitung reagiert, sondern auch auf deren Inserate. Zahlreiche Leserbriefe protestierten in jüngerer Zeit dagegen, dass der Falter Inserate des Glücksspielkonzerns Novomatic akzeptiere, über dessen Aktivitäten er doch kritisch berichte. Nunmehr sei diese Berichterstattung offenbar eingestellt. Ob die Leserschaft das aus der schieren Tatsache schloss, dass Inserate erscheinen, oder ob es sich um Kenntnis der österreichischen Realverfassung handelt, weiß ich nicht. Es handelt sich auf jeden Fall um einen Kurzschluss, denn der Falter spielt die Spielchen der Realverfassung keineswegs mit (vgl. S. 24).

Die Trennung zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung stellt ein Merkmal jeder Qualitätszeitung dar. Trennung impliziert, dass nicht nur die Anzeigenabteilung der Redaktion nichts dreinzureden hat, sondern auch umgekehrt. Man kann aber ein wenig weiterdenken. Wäre das Falter-Publikum bereit, einen Verkaufspreis zu akzeptieren, der nicht durch Anzeigen gestützt ist? Also zehn Euro für eine Ausgabe zu bezahlen? Das Experiment wäre spannend, aber nicht lohnend. Andererseits könnte sich die Anzeigenwirtschaft fragen, ob Inserate, denen eine derart qualifizierte Aufmerksamkeit zuteil wird wie jenen im Falter, nach den gleichen Kriterien zu beurteilen sind wie solche, die man im Gratisblatt überblättert. Ohne den Ärger unseres Publikums zu instrumentalisieren: Er zeigt, dass Falter-Anzeigen eben mehr wert sind.


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