Panik am Immobilienmarkt: Ist der Boom in Wien eine Blase?

Politik | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

:: Leider ist Michael Lobgesang nicht alleine. Er würde sich gerne eine schöne Altbauwohnung für sich und seine kleine Tochter kaufen. Er hat geerbt, er hat einen fixen Job als Lehrer und trotzdem findet er keine passable Wohnung. Denn lauter Menschen wie er strömen derzeit auf den Markt, um ihr ererbtes oder hart erspartes Geld in Betongold umzuwandeln. Das überhitzt den Markt.

Die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen in Wien stiegen seit dem Jahr 2000 um 74 Prozent an, bei neuen Wohnungen um 52 Prozent. "Unter 3000 Euro pro Quadratmeter findet man kaum noch eine neue Eigentumswohnung“, sagt Wolfgang Feilmayr. Der Professor der TU Wien erstellt jährlich den Immobilienindex und veröffentlicht ihn gemeinsam mit der Österreichischen Nationalbank und der Austria Immobilienbörse "Ich sage allen in meinem Bekanntenkreis: Bitte kauft jetzt keine Wohnung“, erzählt der Stadt- und Regionalplaner.

Entsteht gerade eine neue Blase? Wird diese platzen? Das wird Feilmayr immer häufiger von Journalisten gefragt. Aber derzeit rechnen die Experten nicht damit. Viele Menschen wollen derzeit keine riesigen Kredite aufnehmen, sondern in erster Linie ihr Erspartes oder Geerbtes loswerden. So wie Michael Lobgesang, der vor Kurzem von seiner verstorbenen Mutter erbte. "Es ist Cash im System“, sagt Feilmayr.

Denn im Vergleich zu den USA, wo die Immobilienblase durch hochriskante Kredite ausgelöst wurde, sind heimische Anleger wesentlich vorsichtiger und Banken mittlerweile auch zurückhaltender. Eine Blase oder den totalen Finanzkollaps fürchtet der Professor nicht, wohl aber rechnet er mit einer Verflachung beim Preisanstieg. Auch sind die Renditen für Vermieter sehr gering. Feilmayrs Resümee: "Als Anlage würde ich derzeit ganz sicher keine Immobilien kaufen.“


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