Kraliceks Festwochentagebuch  Notizen eines Festivalbesuchers (2)

China blickt zurück, Ungarn geht vor die Hunde, Chile diskutiert

Feuilleton | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Donnerstag, 17. Mai: Liebes Tagebuch! Für all die kinderlosen Singles, die über das lange Wochenende nicht die Stadt verlassen müssen, haben die Festwochen am Feiertag die achtstündige Doku-Performance "Memory“ angesetzt. Ich bin zwar weder kinderlos noch Single, aber natürlich trotzdem dabei. Acht Stunden! Das ist immerhin etwas kürzer als Lepages "Lipsynch“ vor zwei Jahren, aber dafür gibt es diesmal keine Pause, und es ist deutlich weniger los auf der Bühne.

Die Choreografin Wen Hui und der Filmemacher Wu Wenguang, die Leiter des Living Dance Studio in Peking, beschäftigen sich in "Memory“ mit der von Mao im Jahr 1966 ausgerufenen Kulturrevolution. Wen Hui ist ununterbrochen auf der Bühne, ihr Körper bewegt sich kaum, ist aber zum Zerreißen gespannt: Die 52-jährige Tänzerin streckt den Oberkörper meistens nach hinten, so als wollte sie auch ganz physisch Erinnerungsarbeit leisten. Verbal erinnert sie sich aus dem Off an die Sechzigerjahre.

Ungefähr die Hälfte der


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