Urbanes Betragen

Stadtleben | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Benimmfibel für Großstadtmenschen (65)

Frau S. findet, dass zu spät kommende Kinobesucher ihr Recht auf den auf ihrer Karte angegebenen Platz verwirkt haben. Oder ist sie verpflichtet, im Dunkeln herumzurücken?

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Weggegangen, Platz gefangen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst: Sozialdarwinismus allerorts. Muss man nun also auch um Kinoplätze raufen? Immerhin kauft man mit dem Ticketerwerb das Recht, einen bestimmten Platz für die Dauer der Vorstellung zu besetzen. Wenn’s beliebt, auch verspätet - oder sogar gar nicht. Sie meinen wohl, jemand, der zehn Euro für einen Platz berappt hat, soll mit einem 6-Euro-Sitz vorliebnehmen, nur weil er sich verspätet hat. Strafe muss sein und so? Einmal ehrlich, Frau S.: Heutzutage sind die Sitzreihen so großzügig bemessen, es muss längst nicht mehr die ganze Reihe aufstehen, um Verspätete vorbeizulassen. Also echt: runter vom Gas!

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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