Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Kentern oder entern

Steiermark | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Wenn sich fast ausschließlich Männer in einem Bierlokal treffen und viele von ihnen Laptops mit sich führen, kann das eigentlich nur eines bedeuten: Piratenparteitag. Die junge steirische Landespartei wählte am Wochenende in Graz ihre Organe. Überraschend war, dass der Zeitplan fast auf die Minute genau eingehalten wurde. Wohl auch, weil kaum Inhaltliches besprochen wurde. Für die drei Vorstandsposten gab es genau drei männliche Kandidaten. Die Basis wählte sie in die Positionen und stellte keine kritischen Fragen. Chaos verursachte bloß ein Pirat, der eigenmächtig ein Programm mit Piratenlogo verteilte, in dem Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Semester gefordert wurden.

Rund 2300 Stimmen brauchen die Piraten, um bei den Wahlen im Jänner in den Grazer Gemeinderat einzuziehen. Die Grünen werden schon nervös, die SPÖ würde sich gerne selbst als die roten Piraten sehen und die VP macht nun auch auf Basisdemokratie und fragt bei wichtigen Entscheidungen die Bürger. In Deutschland sitzen die Piraten in vier Landesparlamenten, auch in Innsbruck haben sie den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Die Chancen für Graz stehen gut.

Aber was wollen die Piraten im Rathaus? Zu einigen Standpunkten hat man sich durchgerungen: Nein zu Bettelverbot, Umweltzone und Murkraftwerk. An Alternativvorschlägen tüfteln sie noch. Die steirischen Piraten bemühen sich um Standpunkte, bis Herbst soll ein Programm für Graz stehen. Dann müssen sie Ideen und Visionen für diese Stadt präsentieren, von denen am Parteitag noch kaum die Rede war. Davon wird es abhängen, ob die Piraten im Rathaus für eine frische Brise sorgen können.

Donja Noormofidi ist Redakteurin im Steiermark-Falter


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