Menschen

Zum Davonbrennen

Falters Zoo | Ingrid Brodnig Christopher Wurmdobler | aus FALTER 21/12 vom 23.05.2012

Life Ball war und es war natürlich schon wieder der wahnsinnigste, beste, größte und wildeste Life Ball, den es je gegeben hat. Immerhin gab es bei der Aids-Charity-Veranstaltung auch diesmal Stargäste, die nicht nur ein bisschen über den roten Teppich (der sponsorbedingt T-Mobile-farben war) tippelten, sondern bis ganz zum Schluss blieben. Also Jake Shears von der US-amerikanischen Band Scissor Sisters, die ja auch so was wie die Hauptattraktion waren. Aber von Anfang an: Feuer war das Thema, genauer: die Flammen der Ignoranz, die es zu bekämpfen galt. Obwohl es sich angeboten hätte, gab es erstaunlich wenig Zündhölzer (nackt, Bodypainting, roter Kopf) unter den Partygästen. Dafür umso mehr Feuerwehrmänner. Promis kommen ja traditionell unverkleidet zum Life Ball, weshalb Schauspieler wie Antonio Banderas, Ben Becker oder Nicholas Ofczarek - die beiden letzten moderierten die Show als wäre "Jedermann“ auf dem Rathausplatz - besmokingt waren. Beabendkleidet kamen Lieblingstopmodel Karolina "Kä Kä“ Kurkova oder Franca Sozzani. Die Chefredakteurin der italienischen Vogue hatte heuer die Modenschau kuratiert, ein kunterbuntes Allerlei aus 19 Jahren Life Ball, von dem uns leider nur eine sehr, sehr, sehr, sehr bunte Jazz Gitti in Erinnerung geblieben ist. Ach genau: Model Baptiste Giabiconi, den man offenbar stets in Verbindung mit den Worten Lagerfeld und Muse nennen muss, sang. Model Milla Jovovich, die jetzt Schauspielerin ist, auch. Und als Jorge Gonzalez, Atomwissenschaftler und Laufstegtrainer von Heidi Klum erschien, schauten die Ballbesucher sogar ein wenig von ihren Handtelefonen auf. Ach ja. Erfrischend war dann Aidsaktivistin Jackie Branfield, die für ihre Arbeit erstens viel Geld und zweitens ein ziemlich scheußliches Schmuckstück überreicht bekam. Wir hören eh wieder auf zu meckern und singen im Chor: gut, dass es den Life Ball gibt.

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Es wäre schöner gewesen, wenn der Komiker Dirk Stermann, der mit der Expertin Christiane Kada ein Fischkochbuch verfasst hat (der Falter berichtete), zur Buchpräsentation einen echten, stinkigen Karpfen in die Thalia-Buchhandlung mitgebracht hätte. Hat er aber nicht, stattdessen gab’s ’nen Plastikfisch, und wir würden gerne einmal sehen, wie Herr Stermann den paniert und ausbackt.

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Wir mögen ja Menschen mit Hipsterhaarschnitten. Zum Beispiel den Sänger Nate Ruess von der US-amerikanischen Indiepopband Fun. Die wurden mit ihrer Single "We Are Young“ berühmt, nachdem der Song in der Musicalfernsehserie "Glee“ lief. Ein echter Sommerhit, der eh schon auf FM4 auf- und abgespielt wird. Der Sender lud die drei Musiker zu einer kurzen Session ins Radiokulturhaus ein, und man erfuhr, dass dem Trio der Erfolg noch nicht so ganz in den Kopf geschossen ist. Gitarrist Jack Antonoff lebt offenbar noch bei den Eltern. Sänger Ruess hingegen fürchtet, dass sein Vater sogar mit auf Tournee kommt. Ihm ist schon jetzt peinlich, wie sich sein Dad dann wohl aufführen wird und hat sich prophylaktisch beim österreichischen Publikum entschuldigt. Sehr sympathisch, dass sich auch Popstars für ihre Eltern genieren!

E-Mail an den Zoo: zoo@falter.at


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